TV-Gelder in der Eredivisie 2026/27: So werden 117,5 Millionen Euro verteilt

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Die niederländische Eredivisie verteilt in der Saison 2026/27 rund 117,5 Millionen Euro aus den nationalen Medienrechten an ihre 18 Klubs. Das Geld stammt aus dem Vertrag mit ESPN, dem Sportsender der Walt Disney Company, der bis Mitte 2030 läuft.

Anders als in Deutschland oder England folgt die Verteilung in den Niederlanden keinem Modell mit hohem Sockelbetrag, sondern fast vollständig einer Zehnjahres-Leistungsrangliste. Wer über ein Jahrzehnt konstant oben steht, kassiert dauerhaft ein Vielfaches des Aufsteigers. Die Folge: Die Eredivisie hat eine der ungleichsten Verteilungen unter den europäischen Topligen – und trotzdem eine der höchsten Solidaritätsquoten gegenüber der zweiten Liga.


Die Kernzahlen auf einen Blick

KennzahlWert 2026/27
Verteilungsvolumen Eredivisieca. 117,5 Mio. €
Durchschnitt je Klubca. 6,5 Mio. €
Höchster Einzelbetrag (PSV)14,73 Mio. €
Niedrigster Einzelbetrag (Telstar)3,37 Mio. €
Spreizung Erster zu LetztemFaktor 4,4
Anteil der Top 3 am Gesamttopfca. 34 %
Anteil der Top 5ca. 50 %
Anteil der letzten sechs Klubsca. 18 %
MedienpartnerESPN / Eredivisie Media & Marketing (Disney, Eredivisie CV, KNVB)
Vertragslaufzeitbis Saisonende 2029/30

Wie der Verteilungsschlüssel funktioniert

Der Schlüssel der Eredivisie ist bewusst einfach gehalten und beruht auf drei Bausteinen.

1. Punkte nach Abschlusstabelle. Nach jeder Saison erhält jeder Klub Punkte entsprechend seiner Endplatzierung: Der Meister bekommt 18 Punkte, der Zweite 17, absteigend bis zu einem Punkt für den Tabellenletzten.

2. Gewichtung nach Aktualität. Die zehn zuletzt gespielten Saisons fließen ein – aber nicht gleichgewichtig. Die jüngste Saison zählt zehnfach, die zweitjüngste neunfach, und so weiter bis zur ältesten Saison, die einfach zählt.

3. Verteilung nach Ranglistenanteil. Rund 95 Prozent des ausschüttungsfähigen Betrags werden nach dieser Rangliste verteilt. Der Rest folgt anderen, nicht öffentlich aufgeschlüsselten Kriterien.

Rechnerisch ergibt sich daraus ein theoretisches Maximum von 990 Punkten (18 Punkte × Gewichtungssumme 55) für einen Klub, der zehn Jahre in Folge Meister geworden wäre. PSV lag zuletzt bei rund 940 Punkten – also bei etwa 95 Prozent des Maximalwerts. Das erklärt den Abstand an der Spitze besser als jede Einzelsaison.

Der praktische Effekt: Eine Position in der Abschlusstabelle ist nicht nur für die Europapokal-Qualifikation relevant, sondern verändert die Medienerlöse für die kommenden zehn Jahre. Ein einzelner Platz auf der TV-Rangliste entspricht in der Tabellenmitte schnell einer bis knapp einer Million Euro pro Saison.


Die Verteilung aller 18 Klubs in der Saison 2026/27

#KlubTV-Geld 2026/27Anteil am TopfAnmerkung
1PSV Eindhoven14,73 Mio. €12,5 %Meister 2025/26, unangefochten Erster
2Feyenoord13,22 Mio. €11,2 %zieht dauerhaft an Ajax vorbei
3Ajax Amsterdam11,70 Mio. €9,9 %ca. 3 Mio. € Verlust binnen zwei Jahren
4AZ Alkmaar10,19 Mio. €8,7 %stabil in der Spitzengruppe
5FC Utrecht9,38 Mio. €8,0 % 
6FC Twente8,15 Mio. €6,9 % 
7sc Heerenveen6,93 Mio. €5,9 % 
8NEC Nijmegen5,71 Mio. €4,9 %größter Aufsteiger der Rangliste
9Sparta Rotterdam4,78 Mio. €4,1 %von NEC überholt
10Fortuna Sittard4,37 Mio. €3,7 % 
11FC Groningen4,09 Mio. €3,5 % 
12Go Ahead Eagles3,80 Mio. €3,2 %mehrjähriger Aufwärtstrend
13PEC Zwolle3,56 Mio. €3,0 % 
14Excelsior Rotterdam3,47 Mio. €2,9 % 
15Willem II3,44 Mio. €2,9 %Aufsteiger, profitiert von Alt-Punkten
16ADO Den Haag3,42 Mio. €2,9 %Aufsteiger, profitiert von Alt-Punkten
17SC Cambuur3,40 Mio. €2,9 %Aufsteiger, profitiert von Alt-Punkten
18SC Telstar3,37 Mio. €2,9 %ohne relevante Ranglistenhistorie
 Summe117,7 Mio. €100 %Rundungsdifferenz zur kommunizierten Zahl

Die Einzelbeträge sind Medienangaben auf Basis der Ranglistenberechnung; die Eredivisie CV veröffentlicht die Klubbeträge nicht offiziell.


Was die Zahlen über die Liga verraten

Die Spitze zieht davon – aber langsamer als anderswo. PSV erhält das 4,4-Fache des letztplatzierten Klubs. Das ist deutlich ungleicher als in der Bundesliga oder der Premier League, wo Sockelbeträge dominieren. Gemessen an Portugal, dem direkten Konkurrenten in der UEFA-Fünfjahreswertung, gilt die niederländische Verteilung jedoch als vergleichsweise ausgeglichen – ein Punkt, den die Eredivisie CV selbst als Grund dafür anführt, dass die Niederlande Portugal in der Koeffizientenwertung überholen konnten.

Ajax verliert strukturell, nicht nur sportlich. Der Rückfall von Platz zwei auf Platz drei der TV-Rangliste kostet Ajax rund 1,5 Millionen Euro gegenüber Feyenoord. Wichtiger ist der Mechanismus: Weil schwache Saisons zehn Jahre lang nachwirken, ist die Erlöslücke zu PSV auch bei einer sportlichen Erholung nicht kurzfristig schließbar.

Der Boden ist relativ hoch. Aufsteiger ohne Ranglistenhistorie erhalten dennoch rund 3,4 Millionen Euro. Eine rein lineare 95-Prozent-Verteilung nach Punkten würde für einen Klub mit null Punkten deutlich weniger ergeben. Das legt nahe, dass der Schlüssel neben der Punktekomponente einen Mindest- oder Sockelbetrag enthält, den die Liga nicht offenlegt.

Der Unterschied zum Klubbudget bleibt groß. Bei Etats von deutlich über 100 Millionen Euro bei den Spitzenklubs macht das TV-Geld dort nur einen einstelligen bis niedrig zweistelligen Prozentanteil aus. Für Klubs am Tabellenende mit Budgets im niedrigen zweistelligen Millionenbereich ist es dagegen häufig der größte Einzelposten der Einnahmenseite.


Der ESPN-Vertrag: Woher das Geld kommt

Der aktuelle Vertrag wurde im Oktober 2023 einstimmig von allen 18 Eredivisie-Klubs beschlossen und im Februar 2024 finalisiert. Vermarktet werden die Rechte über Eredivisie Media & Marketing (EMM), ein Joint Venture aus der Walt Disney Company, der Eredivisie CV und dem Verband KNVB.

Die wesentlichen Punkte:

  • Laufzeit: fünf Jahre, von der Saison 2025/26 bis einschließlich 2029/30.
  • Volumen: Die garantierte Jahreszahlung stieg mit dem neuen Zyklus von rund 90 Millionen auf etwa 140 Millionen Euro. Zusätzlich wurde eine Einmalzahlung in zwei Tranchen vereinbart.
  • Umfang: Neben der Eredivisie zeigt ESPN die Keuken Kampioen Divisie (zweite Liga) nahezu vollständig live, dazu die Azerion Vrouwen Eredivisie, den KNVB-Pokal, den Johan Cruijff Schaal und Spiele von Jong Oranje.
  • Strukturelle Änderung: Sponsoring- und internationale Medienrechte der Eredivisie fielen mit dem neuen Vertrag zurück an die Eredivisie CV und werden separat vermarktet. Die Auslandsrechte fließen daher nicht in den hier beschriebenen Topf.
  • Wettbewerbsrechtlich umstritten: Mehrere niederländische Telekommunikationsanbieter kritisierten die freihändige Verlängerung ohne offene Ausschreibung und wandten sich an die Wettbewerbsbehörde ACM.

Solidarität nach unten: 15 Prozent für die zweite Liga

Ein Merkmal, das die Niederlande von den meisten europäischen Ligen unterscheidet: Rund 15 Prozent der Medienerlöse gehen an die Keuken Kampioen Divisie. Begründet wird das mit der hohen Fluktuation zwischen den beiden Spielklassen – innerhalb weniger Jahre haben etliche Klubs beide Ligen von innen gesehen, klassische „Fahrstuhlmannschaften“ sind eher die Regel als die Ausnahme.

Hinzu kommt ein zweiter, weniger bekannter Ausgleichsmechanismus: Die europäisch spielenden Spitzenklubs führen einen Teil ihrer UEFA-Prämien in einen gemeinsamen Topf ab. Das dämpft die Schere, die durch die Champions-League-Erlöse sonst noch deutlich weiter aufgehen würde. Für 2026/27 betrifft das insbesondere PSV, Feyenoord und NEC (Champions League), AZ und Twente (Europa League) sowie Ajax (Conference League).


Einordnung: Eredivisie im Vergleich

Die Eredivisie spielt medienökonomisch in einer anderen Liga als die fünf großen Ligen. Zur Größenordnung: Das gesamte nationale Verteilungsvolumen der Eredivisie liegt unter dem, was ein einzelner Premier-League-Klub am Tabellenende erhält.

Der entscheidende strukturelle Unterschied liegt aber nicht im Volumen, sondern im Prinzip: Die DFL verteilt über mehrere Säulen mit erheblichem Gleichanteil und einer Fünfjahres-Betrachtung, die Eredivisie über eine einzige, zehn Jahre zurückreichende Rangliste. Das macht die niederländische Verteilung träger und pfadabhängiger – sportlicher Erfolg zahlt sich später aus, sportlicher Absturz wirkt länger nach.


Ausblick: Was sich bis 2030 ändern könnte

Der ESPN-Vertrag läuft bis Mitte 2030 und liefert damit Planungssicherheit bis zur Saison 2029/30. Offen sind drei Punkte:

  1. Die Verteilungsdiskussion. Kleinere Klubs argumentieren, die schiefe Verteilung zementiere den sportlichen Abstand; die Spitzenklubs verweisen auf Reichweitenanteile und die europäische Konkurrenzsituation. Eine Reform des Schlüssels innerhalb der laufenden Vertragsperiode gilt als unwahrscheinlich, für den Zyklus ab 2030/31 aber als Thema.
  2. Die internationalen Rechte. Sie liegen seit dem neuen Vertrag bei der Eredivisie CV und werden separat vermarktet. Wachstum hier fließt nicht automatisch in denselben Schlüssel.
  3. Der ACM-Prozess. Der Ausgang der wettbewerbsrechtlichen Auseinandersetzung um die Vergabe ohne Ausschreibung kann Auswirkungen auf den nächsten Vergabeprozess haben.

FAQ

Wie viel TV-Geld verteilt die Eredivisie in der Saison 2026/27? Die 18 Eredivisie-Klubs verteilen rund 117,5 Millionen Euro aus den nationalen Medienrechten. Nicht enthalten sind die Anteile für die Keuken Kampioen Divisie, den Verband sowie die separat vermarkteten internationalen Rechte.

Welcher Klub bekommt 2026/27 das meiste Geld? PSV Eindhoven mit rund 14,73 Millionen Euro, gefolgt von Feyenoord (13,22 Mio. €) und Ajax (11,70 Mio. €).

Wie wird das TV-Geld in der Eredivisie verteilt? Rund 95 Prozent nach einer Rangliste der sportlichen Leistungen der letzten zehn Saisons. Jeder Klub erhält pro Saison Punkte nach Abschlusstabelle (Meister 18 Punkte, Letzter 1 Punkt), wobei die jüngste Saison zehnfach und die älteste einfach gewichtet wird.

Warum bekommt Ajax weniger als Feyenoord? Weil die Rangliste zehn Jahre umfasst und die jüngsten Saisons am stärksten gewichtet werden. Ajax‘ schwache Spielzeiten der jüngeren Vergangenheit wirken deshalb überproportional stark nach und haben den Klub innerhalb von zwei Jahren rund drei Millionen Euro gekostet.

Wie viel bekommt ein Aufsteiger? Klubs ohne relevante Ranglistenhistorie erhalten rund 3,4 Millionen Euro. Aufsteiger mit früheren Eredivisie-Saisons wie Willem II, ADO Den Haag und SC Cambuur liegen leicht darüber, weil ihre Altpunkte noch im Zehnjahresfenster liegen.

Wer zeigt die Eredivisie im Fernsehen? ESPN, ein Sender der Walt Disney Company, vermarktet über das Joint Venture Eredivisie Media & Marketing. Der Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2029/30.

Bekommt die zweite niederländische Liga auch TV-Geld? Ja. Rund 15 Prozent der Medienerlöse gehen an die Klubs der Keuken Kampioen Divisie – ein im europäischen Vergleich hoher Solidaritätsanteil.

Ist die Verteilung in der Eredivisie ungleicher als in der Bundesliga? Ja. In der Eredivisie erhält der Erstplatzierte etwa das 4,4-Fache des Letztplatzierten. In der Bundesliga fällt die Spreizung durch den hohen Gleichverteilungsanteil deutlich geringer aus.

Methodik & Quellen

Datengrundlage. Die Eredivisie CV veröffentlicht die klubindividuellen Ausschüttungen nicht offiziell. Die hier genannten Einzelbeträge sind die von niederländischen Fachmedien auf Basis der bekannten Ranglistenlogik berechneten und übereinstimmend berichteten Werte für 2026/27. Sie sind als belastbare Schätzung, nicht als Verbandszahl zu kennzeichnen.

Eigene Berechnungen. Prozentanteile, Spreizungsfaktor, Top-3-/Top-5-Anteile und der theoretische Maximalpunktwert von 990 sind eigene Berechnungen auf Basis der Einzelbeträge bzw. der beschriebenen Punktelogik. Die Summe der Einzelbeträge ergibt 117,71 Mio. € gegenüber der kommunizierten Gesamtsumme von 117,5 Mio. €; die Differenz ist rundungsbedingt.

Quellen:

  • VoetbalNieuws.nl, „Zo worden de tv-gelden verdeeld in de Eredivisie in 2026/2027″, 29.05.2026 (Klubbeträge 2026/27)
  • Voetbal International, „Verdeelsleutel nieuwe tv-deal Eredivisie: ‚Miljoenen extra voor KKD'“, 24.11.2023 (15-%-Abgabe, Vertragsvolumen, UEFA-Prämientopf)
  • Eredivisie.nl / Eredivisie.com, Pressemitteilungen zum Medienvertrag, Oktober 2023 und Februar 2024 (EMM-Struktur, Laufzeit, Rechteumfang)
  • VoetbalPlus.nl, „Verdeling televisiegelden Eredivisie 2025-2026″, Juni 2025 (Aufteilung Einmalzahlung, Vergleichslogik)
  • ESPN.nl / MediaMagazine.nl, Oktober 2023 (ACM-Beschwerde der Telekomanbieter)
Danke für dein Interesse!

Gründer von Fussball-Geld.de. Studierter Jurist und Master im Sportmanagement. Interesse für Zahlen, Übersichten, Recht und wirtschaftliche Hintergründe im Fußball.

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