Die griechische Super League 1 ist eine der letzten großen Ligen Europas ohne Zentralvermarktung. Es gibt keinen Verteilerschlüssel, keine Säulen, keine Leistungskomponente — jeder Klub verkauft seine Heimspielrechte selbst. Das Ergebnis in der Saison 2026/27: eine Spreizung von rund 8:1 zwischen dem größten und dem kleinsten Empfänger, ein Gesamtmarkt von geschätzt 60 bis 70 Mio. Euro und ein Ligapräsident, der genau dieses Modell abschaffen will.
1. Das Grundprinzip: Es gibt keine Verteilung
Wer nach dem griechischen Verteilerschlüssel sucht, sucht vergeblich — und das ist die eigentliche Nachricht. In Deutschland, England oder Frankreich verkauft die Liga die Rechte zentral und verteilt den Erlös anschließend nach definierten Kriterien (Sockel, Fünfjahreswertung, Nachwuchs, Interesse). In Griechenland verkauft jede Profifußball-Aktiengesellschaft (PAE) ihre eigenen Heimspielrechte an einen Sender oder Rechtehändler.
Die Konsequenz: Was ein Klub einnimmt, ist kein Verteilungsergebnis, sondern ein Verhandlungsergebnis. Reichweite, Abonnentenrelevanz und Verhandlungsmacht bestimmen die Summe — nicht die sportliche Platzierung der Vorsaison.
Griechenland teilt dieses Modell historisch mit Spanien (bis 2015) und Portugal (bis zur laufenden Zentralisierungsdebatte). Damit ist die Super League 1 heute der prominenteste verbliebene Dezentralmarkt in der UEFA-Spitzengruppe.
2. Percapita: Zentralvermarktung durch die Hintertür
Seit 2025 hat sich die Struktur faktisch — aber nicht institutionell — verändert. Die im März 2025 gegründete Rechtevermarktungsgesellschaft Percapita hat den Klubs Vierjahresverträge (2025/26 bis 2028/29) über die exklusive Verwertung ihrer Heimspielrechte angeboten und dabei rund 400.000 Euro pro Jahr über den bisherigen Konditionen geboten. Für die mittelgroßen Klubs landete man damit bei rund 1,9 Mio. Euro pro Saison.
Das Angebot wurde nahezu flächendeckend angenommen. Percapita hält für 2026/27 die Rechte von 12 der 14 Erstligisten und reicht sie an die Pay-TV-Plattformen weiter. Percapita sendet selbst nicht — die Gesellschaft ist Zwischenhändler und Bündelungsvehikel.
Wirtschaftlich ist das ein Quasi-Kartell mit privatwirtschaftlichem statt ligaverbandlichem Träger: Die Bündelungswirkung einer Zentralvermarktung entsteht, der Wertzuwachs bleibt aber beim Intermediär und nicht bei der Liga. Percapita hält zudem die Rechte und die Namensrechte der zweitklassigen Super League 2 (2025/26 bis 2028/29).
3. Der Sonderweg Panathinaikos
Panathinaikos war 2025/26 der einzige Klub mit einem Direktvertrag (Cosmote TV, rund 12 Mio. Euro nach 10 Mio. Euro pro Jahr im Zweijahresvertrag 2023–2025). Für 2026/27 geht Klubeigner Giannis Alafouzos einen Schritt weiter und vermarktet über eine eigene Struktur — die neu gegründete ΣΠΟΡ FM TV (SPOR FM TV), getragen von der Gesellschaft The Digital Innovation Lab. Aufsteiger Iraklis schloss sich diesem Weg an; kolportiert werden rund 2,5 Mio. Euro.
Für den Zuschauer bedeutet das erstmals eine echte Fragmentierung: Wer alle Spiele sehen will, braucht neben Cosmote TV und Nova ein drittes Abonnement.
4. Die TV-Landschaft 2026/27
| Plattform | Klubs (Heimspielrechte) | Anzahl |
|---|---|---|
| Cosmote TV | Olympiakos, AEK Athen, OFI Kreta, Panetolikos, Volos, Kifisia | 6 |
| Nova (Novasports) | PAOK, Aris, Asteras AKTOR, Atromitos, Levadiakos, Kalamata | 6 |
| ΣΠΟΡ FM TV | Panathinaikos, Iraklis | 2 |
Die ersten zwölf Zuordnungen laufen über Percapita, die letzten beiden außerhalb.
5. Was die Klubs einnehmen
Die folgenden Werte beruhen auf griechischen Medienberichten (überwiegend Sportal.gr) und sind keine offiziellen Klubangaben. Die Kennzeichnung unterscheidet berichtete von modellierten Werten.
| Klub | TV-Erlös 2026/27 (Mio. €) | Status | Vermarktungsweg |
|---|---|---|---|
| Olympiakos Piräus | ~16,0 | berichtet | Percapita → Cosmote |
| Panathinaikos | ~12,0 | berichtet (offen) | eigene Plattform |
| AEK Athen | 10,0–12,0 | berichtet (Verhandlung) | Percapita → Cosmote |
| PAOK Saloniki | ~8,5 | berichtet | Percapita → Nova |
| Aris Saloniki | ~4,5 | berichtet | Percapita → Nova |
| Iraklis | ~2,5 | kolportiert | ΣΠΟΡ FM TV |
| OFI Kreta | ~1,9 | modelliert | Percapita → Cosmote |
| Panetolikos | ~1,9 | modelliert | Percapita → Cosmote |
| Volos NFC | ~1,9 | modelliert | Percapita → Cosmote |
| Kifisia | ~1,9 | modelliert | Percapita → Cosmote |
| Asteras AKTOR | ~1,9 | modelliert | Percapita → Nova |
| Atromitos | ~1,9 | modelliert | Percapita → Nova |
| Levadiakos | ~1,9 | modelliert | Percapita → Nova |
| Kalamata | ~1,9 | modelliert | Percapita → Nova |
| Summe | ~68,6–70,6 |
Plausibilitätsprüfung: Die Modellsumme trifft die in griechischen Medien genannte Marktbewertung von 60 bis 70 Mio. Euro. Das stützt die Annahme, dass die acht Klubs außerhalb der Top-6 einheitlich auf dem Percapita-Sockel von rund 1,9 Mio. Euro liegen.
Spreizung: 16,0 zu 1,9 Mio. Euro entspricht einem Verhältnis von rund 8,4:1 zwischen dem größten und dem kleinsten Empfänger.
6. Einordnung: Europas ungleichste Verteilung
Zum Vergleich die Spreizung zwischen dem höchsten und dem niedrigsten nationalen Medienerlös pro Liga (Größenordnungen, aktuelle Zyklen):
| Liga | Modell | Spreizung (ca.) |
|---|---|---|
| Premier League | zentral | 1,6–1,8 : 1 |
| Bundesliga | zentral | 2,5–3,0 : 1 |
| Ligue 1 | zentral | 3 : 1 |
| Serie A | zentral | 4–5 : 1 |
| LaLiga | zentral (gedeckelt) | 3,5–4,5 : 1 |
| Super League 1 | dezentral | ~8,4 : 1 |
Die Größenordnung ist ökonomisch bedeutsam: Der griechische Meister AEK Athen nimmt aus einer einzigen UEFA-Ligaphasen-Teilnahme deutlich mehr ein, als die gesamte nationale TV-Verteilung an alle acht Klubs des Mittelfelds zusammen ausschüttet. Nationale Medienerlöse sind für die Klubs unterhalb der Big Four faktisch keine tragende Säule mehr, sondern eine Beimischung.
Hinzu kommt: Der Dezentralmarkt hemmt die Wertentwicklung des Gesamtprodukts. Ein Sender, der die Rechte von acht Klubs hält, verkauft kein Ligaprodukt, sondern ein Klubpaket. Die für Zentralvermarktungen typische Auktionsdynamik zwischen konkurrierenden Bietern entsteht nicht.
7. Die Reformdebatte: Der Alafouzos-Plan
Am 21. August 2026 hat Ligapräsident Giannis Alafouzos — zugleich Eigner von Panathinaikos — dem Ligavorstand ein Umverteilungsmodell vorgelegt. Die Eckpunkte:
- Die vier großen PAE (Olympiakos, Panathinaikos, AEK, PAOK) führen einen Prozentsatz ihrer TV-Erlöse an einen gemeinsamen Topf ab.
- Der Topf wird an die übrigen zehn Klubs verteilt.
- Panathinaikos erklärt sich bereit, 20 Prozent beizusteuern, beziffert mit 4 Mio. Euro.
- Kommt keine Einstimmigkeit zustande, soll ein separates Vehikel gegründet werden, dem nur die zustimmenden Klubs beitreten.
Wichtig für die Einordnung: Das ist nachgelagerte Umverteilung, keine gemeinsame Vermarktung. Die bestehenden Percapita-Verträge blieben unberührt.
Die Reaktionen fallen entlang der Interessenlinien aus. PAOK signalisiert Zustimmung, AEK hat sich noch nicht positioniert. Olympiakos — der Klub mit dem größten Beitrag und dem geringsten Nutzen — verweist auf wettbewerbsrechtliche Bedenken und fordert, eine Solidarleistung institutionell über die Liga zu organisieren statt über ein separates Vehikel.
Alafouzos hat als Fernziel die Einführung einer echten Zentralvermarktung benannt, in der Erwartung, dass mehrere konkurrierende Anbieter den Rechtepreis heben. Er beziffert das theoretische Marktpotenzial der Liga auf 120 Mio. Euro — etwa das Doppelte des heutigen Volumens. Diese Zahl ist eine Verhandlungsposition, keine Bewertung.
Die Personalie erklärt die Dringlichkeit: Alafouzos führt die Liga turnusgemäß nur für zwölf Monate, danach übernimmt Evangelos Marinakis (Olympiakos) — also derjenige, dessen Klub am meisten zu verlieren hätte.
8. Bewertung
Drei Punkte für die kommenden Monate:
Erstens ist der Rechtemarkt strukturell verflochten. Percapita geht auf Vardinogiannis- und Solak-Interessen zurück, Nova gehört zum Solak-Umfeld, und im März 2026 sind Alter Ego Media (Marinakis) und eine Motor-Oil-Tochter (Vardinogiannis) mit je 33,3 Prozent bei der ANT1+-Betreibergesellschaft eingestiegen. Käufer und Verkäufer der Rechte stehen sich in Griechenland nicht neutral gegenüber.
Zweitens ist die Reform ohne Olympiakos nicht durchsetzbar — und Olympiakos hat bei rund 16 Mio. Euro Jahreserlös keinen ökonomischen Anreiz.
Drittens bleibt für die Klubs unterhalb der Big Four die europäische Qualifikation der einzige relevante Hebel. Bei 1,9 Mio. Euro nationalem TV-Erlös entscheidet eine einzige Conference-League-Ligaphase über das Budget einer ganzen Saison.
FAQ
Wie werden die TV-Gelder in Griechenland verteilt? Gar nicht — jedenfalls nicht nach einem Schlüssel. Die griechische Super League 1 vermarktet ihre Medienrechte nicht zentral. Jeder Klub verkauft seine Heimspielrechte einzeln, überwiegend an den Rechtehändler Percapita, der sie an Cosmote TV und Nova weiterreicht. Die Einnahmen sind Verhandlungs-, kein Verteilungsergebnis.
Wie hoch sind die TV-Einnahmen der griechischen Super League 1 insgesamt? Griechische Medien beziffern das nationale TV-Produkt der Super League 1 auf 60 bis 70 Mio. Euro pro Saison. Ligapräsident Giannis Alafouzos hält bei einer Zentralvermarktung bis zu 120 Mio. Euro für erreichbar.
Welcher Klub bekommt das meiste Geld? Olympiakos Piräus mit rund 16 Mio. Euro pro Saison — etwa ein Viertel des gesamten Marktvolumens. Es folgen Panathinaikos und AEK Athen mit rund 10 bis 12 Mio. Euro sowie PAOK mit rund 8,5 Mio. Euro.
Was ist Percapita? Percapita ist eine 2025 gegründete Rechtevermarktungsgesellschaft, die für 2026/27 die Heimspielrechte von zwölf der vierzehn Erstligisten hält und an die Pay-TV-Plattformen weiterverkauft. Sie sendet selbst nicht. Die Verträge laufen über vier Jahre bis 2028/29.
Warum vermarktet Panathinaikos separat? Panathinaikos hatte als einziger Klub einen Direktvertrag mit Cosmote TV und ist Percapita nie beigetreten. Für 2026/27 vermarktet der Klub über die neu gegründete Plattform ΣΠΟΡ FM TV, an der Klubeigner Giannis Alafouzos beteiligt ist. Aufsteiger Iraklis hat sich angeschlossen.
Wo laufen die Spiele der Super League 1 2026/27? Cosmote TV zeigt die Heimspiele von Olympiakos, AEK, OFI, Panetolikos, Volos und Kifisia. Nova überträgt PAOK, Aris, Asteras AKTOR, Atromitos, Levadiakos und Kalamata. Panathinaikos und Iraklis laufen bei ΣΠΟΡ FM TV.
Wird Griechenland auf Zentralvermarktung umstellen? Ligapräsident Alafouzos hat das als Ziel benannt und im August 2026 zunächst ein Umverteilungsmodell vorgelegt, bei dem die vier großen Klubs einen Teil ihrer Erlöse an die übrigen zehn abgeben. Olympiakos hat Bedenken angemeldet. Eine Entscheidung steht aus.