Vorbemerkung: Was in Polen „1. Liga“ heißt
Ein Hinweis vorweg, weil die Begriffe im deutschsprachigen Raum regelmäßig durcheinandergehen:
- Ekstraklasa (offiziell PKO Bank Polski Ekstraklasa) ist die höchste Spielklasse Polens – das Pendant zur Bundesliga. Betreiber ist die Ekstraklasa S.A., eine Liga-Gesellschaft im Besitz der 18 Klubs und des Verbands PZPN.
- Betclic 1. Liga ist die zweite Spielklasse. Sie wird nicht von der Ekstraklasa S.A. vermarktet, sondern zentral vom polnischen Verband PZPN.
Wer also „polnische 1. Liga“ sagt und die Eliteklasse meint, meint die Ekstraklasa. Dieser Beitrag behandelt schwerpunktmäßig die Ekstraklasa und stellt am Ende die tatsächliche 1. Liga (2. Spielklasse) separat dar – dort sind die Größenordnungen völlig andere.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Gesamtetat der Ekstraklasa S.A. für 2026/27 liegt bei 367,5 Mio. PLN (rund 86 Mio. EUR) – der höchste Wert der Ligageschichte.
- Nach dem geltenden Modell werden 290 Mio. PLN (rund 68 Mio. EUR) an die 18 Klubs verteilt, zuzüglich 4,1 Mio. PLN Sonderprämie für den fünften Europapokalteilnehmer und rund 3 Mio. PLN an zusätzlichen Werbeleistungen.
- Der Verteilungsschlüssel: 50 % Sockelbetrag, 33,5 % sportliches Ergebnis der laufenden Saison, 14 % Fünfjahres-Ranking, 2,5 % Nachwuchsprogramm Młodzieżowiec 2.0.
- 2026/27 ist die letzte Saison des laufenden Canal+-Vertrags (2023/24–2026/27, rund 1,3 Mrd. PLN). Die Ausschreibung für den Zyklus ab 2027/28 soll im September 2026 starten.
- Zum Vergleich: In der abgelaufenen Saison 2025/26 wurden 301,1 Mio. PLN ausgezahlt – erstmals über 300 Mio. Meister Lech Poznań erhielt 36,8 Mio. PLN.
1. Die Rechtegrundlage: Canal+ bis 2026/27
Die Einnahmenbasis der Ekstraklasa ruht seit Jahren auf einem Hauptvertrag mit dem Pay-TV-Anbieter Canal+ Polska. Der aktuelle Kontrakt wurde im Oktober 2022 geschlossen und deckt die Spielzeiten 2023/24 bis 2026/27 ab. Sein Gesamtvolumen liegt bei knapp 1,3 Mrd. PLN – der größte Medienvertrag in der Geschichte des polnischen Klubfußballs.
Wesentliche Merkmale:
- Exklusive Live-Rechte an allen Spielen der Ekstraklasa in Polen, inklusive Magazin- und Highlight-Rechten für TV, Canal+ Online und Internet (einschließlich YouTube).
- Sublizenz-Verpflichtung: Canal+ muss ein Spiel pro Spieltag sowie Highlights an einen frei empfangbaren Sender weitergeben. Diese Rolle übernimmt TVP Sport.
- Progressive Vertragsstruktur: Die Jahresrate steigt über die Laufzeit an – von rund 270 Mio. PLN in der Startsaison auf etwa 300 Mio. PLN im Schlussjahr 2026/27.
- Auslandsvermarktung läuft separat; Spiele werden in mehr als 20 Ländern gezeigt, für Zuschauer außerhalb Polens zusätzlich über die Plattform Ekstraklasa.TV.
Wichtig für die Einordnung: Die Summe, die die Klubs erhalten, ist nicht identisch mit dem TV-Vertragsvolumen. Die Ekstraklasa S.A. vermarktet zusätzlich Sponsoring zentral – Titelpartner ist seit 2019 die PKO Bank Polski, Hauptpartner der Lotteriebetreiber Totalizator Sportowy mit der Marke LOTTO; zuletzt kam InPost als Partner hinzu. Diese Erlöse fließen in denselben Verteilungstopf.
2. Der Etat 2026/27: 367,5 Mio. PLN
Im Juli 2026 hat der Aufsichtsrat der Ekstraklasa S.A. den Haushalt für die Saison 2026/27 verabschiedet. Er ist der höchste der Ligahistorie.
| Position | Betrag (PLN) | ca. EUR* |
|---|---|---|
| Gesamtetat Ekstraklasa S.A. | 367.500.000 | 86,5 Mio. |
| davon: Verteilung an Klubs nach Modell | 290.000.000 | 68,2 Mio. |
| davon: Sonderprämie 5. Europapokalteilnehmer | 4.100.000 | 1,0 Mio. |
| davon: zusätzliche Werbeleistungen an Klubs (LED-Banden, Tickets, Logen) | ca. 3.000.000 | 0,7 Mio. |
| davon: Leistungen an den Verband PZPN | ca. 12.200.000 | 2,9 Mio. |
| darunter: Kofinanzierung Programm Double Pass | ca. 1.800.000 | 0,4 Mio. |
| Barterleistungen (Hawk-Eye, Adidas-Ausrüstung, Rasenmatten u. a.) | knapp 12.000.000 | 2,8 Mio. |
* Richtkurs 4,25 PLN/EUR, indikativ. Der Zloty schwankt; die Umrechnung dient nur der Größenordnung.
Ein Detail, das man kennen muss: Die 290 Mio. PLN sind eine Planzahl, kein Deckel. Die Ligagesellschaft budgetiert konservativ und rechnet unterjährig erwirtschaftete Zusatzerlöse nach Saisonende in den Verteilungstopf ein. In der Vorsaison lag die Planung ebenfalls bei 290 Mio. PLN Modell-Topf – ausgezahlt wurden am Ende 301,1 Mio. PLN, weil der Verteilungstopf auf rund 296 Mio. PLN anwuchs und zusätzliche Zahlungen hinzukamen. Die Ligaführung hat den Anspruch formuliert, die 300-Mio.-Grenze auch 2026/27 zu überschreiten.
3. Der Verteilungsschlüssel im Detail
Das Modell wurde im Juni 2023 einstimmig von allen 18 Klubs beschlossen und in die Satzung der Ekstraklasa aufgenommen. Es gilt seit 2023/24 unverändert und wurde für 2026/27 ausdrücklich fortgeschrieben.
| Säule | Anteil | Betrag 2026/27 (PLN, auf Basis 290 Mio.) | Bemessungsgrundlage |
|---|---|---|---|
| 1. Sockelbetrag | 50,0 % | 145.000.000 | Gleichverteilung auf 18 Klubs |
| 2. Sportliches Ergebnis | 33,5 % | 97.150.000 | laufende Saison |
| – davon Tabellenplatz | 18,5 % | 53.650.000 | Abschlussplatzierung |
| – davon Europapokalteilnahme | 14,0 % | 40.600.000 | Qualifikation für UEFA-Wettbewerbe |
| – davon Solidarzahlung Absteiger | 1,0 % | 2.900.000 | Plätze 16–18, mit Bedingung |
| 3. Historisches Ranking | 14,0 % | 40.600.000 | fünf zurückliegende Saisons, gewichtet |
| 4. Młodzieżowiec 2.0 | 2,5 % | 7.250.000 | Einsatzminuten junger polnischer Spieler |
| Summe Modell | 100 % | 290.000.000 | |
| Zusatz: 5. Europapokalteilnehmer | – | 4.100.000 | separat budgetiert |
Die 2,5 % für Młodzieżowiec 2.0 entsprechen exakt den offiziell bestätigten „rund 7,25 Mio. PLN“ – ein sauberer Gegencheck, dass die 290 Mio. PLN tatsächlich die Bemessungsbasis des Modells sind.
3.1 Säule 1 – Der Sockelbetrag (50 %)
Die Hälfte des Topfes wird gleichmäßig verteilt. Bei 145 Mio. PLN und 18 Klubs ergibt das rund 8,06 Mio. PLN pro Klub (ca. 1,90 Mio. EUR). Zum Vergleich: In der Saison 2025/26 lag der tatsächlich ausgezahlte Sockelbetrag am Ende bei 8.222.700 PLN je Klub, weil der Topf nachträglich anwuchs.
Für Klubs im unteren Drittel ist dieser Sockel der dominierende Posten. Bei Widzew Łódź machte er in der Vorsaison rund 70 % der gesamten Ligazahlung aus. Genau das ist die politische Funktion der Säule: Sie hebt den Boden der Liga an, ohne den sportlichen Wettbewerb zu entwerten.
3.2 Säule 2 – Sportliches Ergebnis (33,5 %)
Diese Säule ist die eigentliche Differenzierungsmaschine des Modells. Sie zerfällt in drei Unterposten.
a) Tabellenplatz (18,5 %)
Die 53,65 Mio. PLN werden über eine lineare Punkteleiter verteilt: Platz 1 erhält 18 Anteile, Platz 18 einen Anteil. Die Summe der Gewichte beträgt 171, ein Anteil ist also rund 313.700 PLN wert.
| Platz | Anteile | Modellwert 2026/27 (PLN) |
|---|---|---|
| 1 | 18 | 5.647.400 |
| 2 | 17 | 5.333.600 |
| 3 | 16 | 5.019.900 |
| 4 | 15 | 4.706.100 |
| 5 | 14 | 4.392.400 |
| 6 | 13 | 4.078.700 |
| 7 | 12 | 3.764.900 |
| 8 | 11 | 3.451.200 |
| 9 | 10 | 3.137.400 |
| 10 | 9 | 2.823.700 |
| 11 | 8 | 2.509.900 |
| 12 | 7 | 2.196.200 |
| 13 | 6 | 1.882.500 |
| 14 | 5 | 1.568.700 |
| 15 | 4 | 1.255.000 |
| 16 | 3 | 941.200 |
| 17 | 2 | 627.500 |
| 18 | 1 | 313.700 |
Modelliert, nicht offiziell. Die Ekstraklasa S.A. veröffentlicht die Leiter nicht als Tabelle. Die lineare Struktur 18:1 lässt sich aber aus veröffentlichten Ist-Zahlen rekonstruieren und ist in der Vorsaison exakt aufgegangen (siehe Methodikkapitel).
b) Europapokal-Prämie (14 %)
Der mit Abstand härteste Hebel im System. Die 40,6 Mio. PLN gehen ausschließlich an die Klubs, die sich für einen UEFA-Wettbewerb qualifiziert haben – gestaffelt nach Wettbewerbsebene. Polen stellt 2026/27 fünf Teilnehmer; für den fünften hat die Liga separat 4,1 Mio. PLN reserviert, in gleicher Höhe wie für den vierten.
| Startplatz | Modellwert 2026/27 (PLN) |
|---|---|
| Meister (Champions-League-Weg) | ca. 16,3 Mio. |
| Zweiter Champions-League-Startplatz | ca. 12,2 Mio. |
| Europa-League-Startplatz | ca. 8,1 Mio. |
| Conference-League-Startplatz (4.) | ca. 4,1 Mio. |
| Conference-League-Startplatz (5.) | 4,1 Mio. (separat budgetiert) |
Modelliert. Die Staffelung ist aus den Ist-Auszahlungen 2025/26 abgeleitet und auf die Bemessungsbasis 2026/27 skaliert. Die offizielle Bestätigung liegt nur für die 4,1 Mio. PLN des vierten und fünften Teilnehmers vor.
Was diese Säule bedeutet, zeigt der Blick auf die Vorsaison: Die fünf Europapokalteilnehmer vereinnahmten zusammen 132,7 Mio. PLN – also rund 44 % des Gesamttopfes für 28 % der Klubs. Davon entfielen etwa 45,6 Mio. PLN auf die direkte Europapokalprämie.
c) Solidarzahlung für Absteiger (1 %)
2,9 Mio. PLN sind als Fallschirmzahlung für die Klubs auf den Plätzen 16 bis 18 vorgesehen. Bedingung: Der Klub muss in den mindestens zwei Saisons vor dem Abstieg in der Ekstraklasa gespielt haben. Aufsteiger, die direkt wieder absteigen, gehen leer aus. Nicht ausgezahlte Beträge fließen zurück in den Topf für das sportliche Ergebnis der laufenden Saison.
Dieser Mechanismus ist 2025/26 real geworden: Von den drei Absteigern erfüllte nur einer die Bedingung, die freigewordenen Mittel wanderten in die Tabellenplatz-Leiter und erhöhten deren Wert je Anteil spürbar. Der Aufsichtsrat beschloss als Ausgleich eine einmalige Zahlung von rund 494.000 PLN je direkt wieder abgestiegenem Aufsteiger.
3.3 Säule 3 – Historisches Ranking (14 %)
40,6 Mio. PLN werden nach den Ergebnissen der fünf zurückliegenden Spielzeiten verteilt, wobei die jüngste Saison das höchste und die fünftletzte das geringste Gewicht erhält. Der Anteil wurde 2023 von 20 % auf 14 % gesenkt – zugunsten des Sockelbetrags, der im Gegenzug von 44 % auf 50 % stieg.
Die Säule wirkt als Dämpfer in beide Richtungen. Ein Traditionsklub mit schwacher Saison fällt finanziell nicht ins Bodenlose; ein Aufsteiger startet dagegen mit nahezu leerem Konto in dieser Kategorie. Die Spreizung ist beträchtlich, aber nicht dominant: In der Vorsaison erhielten nur zwei Klubs mehr als 4 Mio. PLN aus diesem Topf, das Schlusslicht unter 1 Mio. PLN.
Praxisbeispiel aus 2025/26: Legia Warschau hatte mit 3,64 Mio. PLN ein deutlich besseres historisches Ranking als GKS Katowice mit 0,97 Mio. PLN. GKS holte über das sportliche Ergebnis aber 8,79 Mio. PLN gegenüber 4,31 Mio. PLN für Legia – und lag am Ende mit 17,99 Mio. PLN vor Legias 16,70 Mio. PLN. Die Vergangenheit polstert, sie ersetzt aber keine Punkte.
3.4 Säule 4 – Młodzieżowiec 2.0 (2,5 %)
7,25 Mio. PLN gehen an Klubs, die junge polnische Spieler tatsächlich einsetzen. Bewertet werden Punkte für Einsatzzeiten im Klub, in Nationalmannschaften und bei Leihen. Das Programm hat den früheren Pro Junior System abgelöst.
Wichtige Abgrenzung: Das ist keine Akademiefinanzierung. Dafür gibt es einen separaten Posten – 18 Mio. PLN, gleichmäßig zu 1 Mio. PLN je Klub, ausgezahlt vor Saisonbeginn. Zusammen mit Młodzieżowiec 2.0 und der Kofinanzierung des Qualitätsprogramms Double Pass kommt die Liga auf über 27 Mio. PLN für Nachwuchsförderung.
Zur Einordnung der Größenordnung: Die Ekstraklasa-Klubs gaben laut Grant Thornton in der Saison 2024/25 zusammen 97,7 Mio. PLN für ihre Akademien aus. Der Spitzenklub der Liga deckte mit den Ligamitteln nur etwa 13 % seiner eigenen Akademiekosten. Die Zahlungen sind ein Anreiz, kein Finanzierungsinstrument.
4. Auszahlungsrhythmus
Die Klubs erhalten das Geld in vier Tranchen über die Saison verteilt:
| Zeitpunkt | Auszahlung |
|---|---|
| Juli | erste Hälfte des Sockelbetrags |
| Oktober | zweite Hälfte des Sockelbetrags |
| Januar | Abrechnung des historischen Rankings |
| bis 14 Tage nach Saisonende | alle übrigen Positionen |
Die Planbarkeit dieser Zahlungsströme hat einen finanzwirtschaftlichen Nebeneffekt: Zukünftige Forderungen aus Medien- und Sponsoringverträgen sind grundsätzlich zessionsfähig. Legia Warschau hat im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 eine solche Abtretung künftiger Forderungen ausgewiesen und damit Betriebsmittel finanziert – ein Mechanismus, der aus dem europäischen Spitzenfußball bekannt ist.
5. Referenzjahr: Die Ist-Zahlen 2025/26
Da 2026/27 noch läuft, ist die abgeschlossene Vorsaison die belastbarste Vergleichsbasis. Ausgezahlt wurden 301,14 Mio. PLN an 18 Klubs, zuzüglich rund 12 Mio. PLN an den PZPN – insgesamt etwa 320 Mio. PLN an Leistungen.
Aufteilung nach Säulen (offizielle Angaben der Ekstraklasa S.A.):
| Säule | Betrag 2025/26 (PLN) |
|---|---|
| Sockelbetrag (8.222.700 × 18) | 148.000.000 |
| Sportliches Ergebnis | über 103.000.000 |
| Historisches Ranking | über 41.000.000 |
| Młodzieżowiec 2.0 | ca. 7.270.000 |
| Einmalzahlung an direkt abgestiegene Aufsteiger | ca. 494.000 je Klub |
| Zusätzliche Werbeleistungen | ca. 3.600.000 |
Klubauszahlungen (verifizierte Einzelwerte):
| Rang | Klub | Auszahlung (PLN) |
|---|---|---|
| 1 | Lech Poznań | 36.819.000 |
| 2 | Górnik Zabrze | 29.735.000 |
| 3 | Jagiellonia Białystok | 26.519.000 |
| 4 | Raków Częstochowa | 21.677.000 |
| 5 | GKS Katowice | 17.991.000 |
| 6 | Legia Warszawa | 16.704.000 |
| 7 | Zagłębie Lubin | 16.042.000 |
| 8 | Pogoń Szczecin | 15.955.000 |
| 9 | Radomiak Radom | 13.390.000 |
| 10 | Cracovia | 12.906.000 |
| 11 | Piast Gliwice | 12.741.000 |
| — | Korona Kielce | 12.683.556 |
| — | Wisła Płock | ca. 12.640.000 |
| 15 | Widzew Łódź | 11.878.762 |
| — | Arka Gdynia | ca. 9.210.000 |
| — | Bruk-Bet Termalica Nieciecza | ca. 9.080.000 |
Datenlücke, offen ausgewiesen: Die Ekstraklasa S.A. hat die vollständige Rangliste nur als Grafik veröffentlicht. Für Motor Lublin und Lechia Gdańsk liegen keine belastbaren Einzelwerte vor; beide bewegen sich nach Verlagsangaben in der Spanne 11,67 bis 16,04 Mio. PLN, in der auch die Plätze 7 bis 15 liegen. Die Rangnummern für Korona, Wisła Płock, Arka und Termalica sind aus den Einzelmeldungen nicht widerspruchsfrei rekonstruierbar – zwei Quellen weisen Platz 11 unterschiedlich zu. Wir ergänzen die Tabelle, sobald die Liga eine maschinenlesbare Fassung nachreicht.
Die Bandbreite ist aufschlussreich: Zwischen dem Meister und dem Schlusslicht der Auszahlungsliste liegen rund 27,7 Mio. PLN – ein Faktor von etwa 4:1. In der Bundesliga liegt das Verhältnis zwischen bestem und schwächstem Empfänger im nationalen Verteilungsschlüssel bei ungefähr 2:1. Die Ekstraklasa ist damit deutlich leistungsdifferenzierter, was fast ausschließlich an der Europapokal-Säule liegt.
6. Einordnung: Was das Ligageld heute noch wert ist
Nominal wächst die zentrale Auszahlung stetig: 137 Mio. PLN vor zehn Jahren, 230,5 Mio. PLN vor fünf Jahren, 301,1 Mio. PLN zuletzt. Relativ betrachtet verliert sie aber an Gewicht.
Zwischen 2022/23 und 2024/25 sank der Anteil der Ligaauszahlung an den Gesamterlösen der Klubs von 26,1 % auf 23,5 %; bezogen auf die operativen Erlöse ohne Transfers von 30,3 % auf 28,4 %. Der Grund: Europapokalerlöse, Spieltagserlöse, Sponsoring und Transfers wachsen schneller.
Wie groß dieser Effekt ist, zeigt die Gegenrechnung für 2025/26: Die polnischen Europapokalteilnehmer nahmen nach Schätzungen von Football Meets Data zusammen rund 34 Mio. EUR an UEFA-Zahlungen ein – bei einem Arbeitskurs von 4,30 PLN entspricht das etwa 146 Mio. PLN und damit fast der Hälfte dessen, was die gesamte Liga zentral verteilt. Für einen einzelnen Klub kann eine gute Europapokalsaison mehr wert sein als drei Jahre Ligaauszahlung.
Für die Klubs außerhalb der Spitzengruppe heißt das: Die zentrale Zahlung ist ein verlässlicher Boden, aber kein Wettbewerbsvorteil. Wer sich absetzen will, muss es über Spieltag, Sponsoring, Transfers oder Europa tun.
7. Die tatsächliche 1. Liga: 27 Mio. PLN für 18 Klubs
Wer den Begriff wörtlich nimmt, landet bei der zweiten Spielklasse. Diese wird zentral vom PZPN vermarktet, nicht von der Ekstraklasa S.A. Die Beträge legt der PZPN-Vorstand jährlich per Beschluss fest – für 2026/27 mit Beschluss III/49 vom 26. März 2026.
| Wettbewerb | Gesamtsumme 2026/27 (PLN) | Deckel je Klub |
|---|---|---|
| 1. Liga (2. Spielklasse) | 27.000.000 | Detailaufteilung durch PZPN-Generalsekretariat und Vorstand der Pierwsza Liga Piłkarska |
| 2. Liga (3. Spielklasse) | 4.500.000 | max. 250.000 |
| 3. Liga (4. Spielklasse, 4 Gruppen, 72 Klubs) | 1.440.000 | max. 20.000 |
| Ekstraliga Kobiet (Frauen, 1. Liga) | 1.200.000 | max. 100.000 |
| 1. Liga Kobiet (Frauen, 2. Liga) | 240.000 | max. 20.000 |
Die Zahlung für die 2. Liga erfolgt in zwei Raten: bis zu 150.000 PLN bis zum 31. Dezember 2026, bis zu 100.000 PLN bis zum 30. April 2027. Der PZPN behält sich vor, die Beträge zu kürzen oder zurückzufordern, wenn Klubs Marketing- oder Übertragungsauflagen nicht erfüllen – etwa Branding-Vorgaben oder die Bereitstellung des Signals für die Streaming-Plattform des Verbands.
Die Fallhöhe in einer Zahl: 27 Mio. PLN für die gesamte zweite Liga entsprechen etwa 1,5 Mio. PLN pro Klub im Schnitt – gegenüber einem garantierten Sockelbetrag von 8,06 Mio. PLN allein für den Letzten der Ekstraklasa. Der Aufstieg ist finanziell ein Sprung um den Faktor fünf bis sechs, bevor überhaupt sportliche Prämien fließen. Die Aufsteiger der Saison 2025/26 erhielten am Ende zwischen 9,1 und 12,6 Mio. PLN.
Relativierend gilt allerdings: Die Ekstraklasa wird gleichzeitig teurer. Gehaltsbudgets, ligainterne Transfersummen und Kaderkosten steigen. Ein Aufsteiger mit 9 Mio. PLN zentraler Zuwendung hat gegenüber etablierten Klubs mit 13 bis 16 Mio. PLN keinen Vorteil, sondern lediglich eine tragfähigere Basis als in der Vorsaison.
8. Ausblick: Die Ausschreibung ab 2027/28
Die Saison 2026/27 ist die letzte des Canal+-Vertrags. Die Ausschreibung für den Folgezyklus soll im September 2026 starten; die Ekstraklasa hat dafür die internationale Rechteagentur IMG mandatiert – ein Haus mit Erfahrung aus der internationalen Produktions- und Vermarktungsschiene der Premier League.
Die strategische Frage lautet nicht nur „Wer kauft?“, sondern „Wie viele Pakete lassen sich getrennt bepreisen?“ Denkbar sind Haupt-Live-Paket, Free-TV-Sublizenz, Highlights, Digital, Near-Live-Content, Magazine, Datenrechte und internationale Distribution. Je granularer das Angebot, desto größer die Chance auf echten Bieterwettbewerb.
Das Problem: Der Kreis realistischer Käufer ist überschaubar.
- Canal+ Polska ist der natürliche Referenzpunkt – mit gewachsener Produktionsinfrastruktur, Sendeschema und Abonnentenbasis. Die Liga hat für Canal+ hohen Retentionswert. Das bedeutet zugleich begrenzten Preisdruck, wenn niemand sonst mitbietet.
- Polsat verfügt über ein eigenes Sportökosystem und hat über Eleven Sports bereits ein breites Fußballportfolio.
- TVN Warner Bros. Discovery war im polnischen Klubfußball nie ein Schwergewicht auf diesem Niveau.
- TVP liefert Reichweite, aber nicht das Investitionsvolumen.
- Ein internationaler Streaming-Neueinsteiger müsste nicht nur Rechte kaufen, sondern Produktion, Gesichter, Marketing und Sehgewohnheiten aufbauen. Die Erfahrungen von Viaplay in Polen mahnen zur Vorsicht.
Für Fußball-Geld.de ist das der eigentlich interessante Datenpunkt der kommenden Monate: Ob rund 300 Mio. PLN Ausschüttung eine neue Normalität oder die kommerzielle Decke der Liga markieren, entscheidet sich in diesem Verfahren.
9. Methodik: Verifiziert vs. modelliert
Wir trennen in diesem Beitrag strikt zwischen offiziell bestätigten und von uns berechneten Werten.
Verifiziert (offizielle Quellen bzw. übereinstimmende Primärberichterstattung):
- Gesamtetat 367,5 Mio. PLN, Modelltopf 290 Mio. PLN, Sonderprämie 4,1 Mio. PLN für den fünften Europapokalteilnehmer, ca. 3 Mio. PLN Zusatzleistungen, ca. 12,2 Mio. PLN an den PZPN, ca. 7,25 Mio. PLN für Młodzieżowiec 2.0, knapp 12 Mio. PLN Barterwert (Ekstraklasa S.A., Juli 2026).
- Prozentsätze 50 / 33,5 / 14 / 2,5 sowie die Unteraufteilung 18,5 / 14 / 1 (Ligastatut seit 2023/24; von der Ekstraklasa S.A. für 2026/27 bestätigt).
- Ist-Zahlen 2025/26: Gesamtsumme 301,14 Mio. PLN, Sockelbetrag 8.222.700 PLN je Klub, 148 Mio. PLN Sockel gesamt, über 103 Mio. PLN sportliches Ergebnis, über 41 Mio. PLN historisches Ranking, 132,7 Mio. PLN an die fünf Europapokalteilnehmer, davon ca. 45,6 Mio. PLN direkte Prämie.
- Vertragslaufzeit und Volumen des Canal+-Kontrakts, Sublizenzpflicht, Auszahlungsrhythmus.
- PZPN-Beschluss III/49 vom 26. März 2026 mit den Summen für 1., 2. und 3. Liga sowie den Frauenligen.
Modelliert (eigene Berechnung, klar als solche gekennzeichnet):
- Die Tabellenplatz-Leiter. Rekonstruiert aus der Ist-Zahl für einen Klub, der 2025/26 als Vierzehnter 1.658.888,89 PLN für die Platzierung erhielt. Bei linearer Gewichtung 18:1 ergibt das 331.777,78 PLN je Anteil und einen Gesamttopf von 56,73 Mio. PLN. Das entspricht 18,5 % der Bemessungsbasis von 296 Mio. PLN zuzüglich der zwei nicht ausgezahlten Solidaranteile für die beiden direkt wieder abgestiegenen Aufsteiger – genau der satzungsgemäß vorgesehene Rückfluss. Die Leiterstruktur ist damit auf den Złoty genau bestätigt. Für 2026/27 haben wir sie auf die Planbasis 290 Mio. PLN skaliert.
- Die Staffelung der Europapokal-Prämie. Abgeleitet aus den veröffentlichten Einzelwerten für das sportliche Ergebnis 2025/26 abzüglich des jeweils berechneten Tabellenplatzanteils. Offiziell bestätigt sind nur die 4,1 Mio. PLN für den vierten und fünften Teilnehmer.
- Alle EUR-Umrechnungen bei einem Richtkurs von 4,25 PLN/EUR.
Bekannte Unschärfen:
- Die Klubtabelle 2025/26 ist unvollständig (siehe Hinweis in Kapitel 5).
- Der endgültige Verteilungstopf 2026/27 wird voraussichtlich über 290 Mio. PLN liegen. Alle Modellwerte in diesem Beitrag sind damit Untergrenzen, keine Prognosen der Endabrechnung.
- Ob die Ligagesellschaft den Verteilungsschlüssel für den neuen Rechtezyklus ab 2027/28 anpasst, ist offen. Eine Neuverhandlung parallel zur Ausschreibung wäre naheliegend.
Quellen
- Ekstraklasa S.A.: Budgetbeschluss Saison 2026/27 (367,5 Mio. PLN), Juli 2026 – ekstraklasa.org
- Ekstraklasa S.A.: Abrechnung Saison 2025/26 (301,1 Mio. PLN), 29. Juni 2026 – ekstraklasa.org
- Ekstraklasa S.A. / PZPN: Verteilungsmodell seit Saison 2023/24, Beschluss der Hauptversammlung Juni 2023
- PZPN, Beschluss III/49 des Vorstands vom 26. März 2026 zu den Marketing- und Fernsehrechtebeträgen 1./2./3. Liga sowie Frauenligen (Saison 2026/27)
- Wirtualnemedia / Press.pl: Vertragsabschluss Canal+ Polska, Oktober 2022
- Weszło: Auszahlungen Ekstraklasa S.A. 2025/26, Juni 2026
- XYZ (Jakub Szlendak): Analyse der Ausschüttung 2025/26, Juli 2026
- Grant Thornton: Finanzberichte Ekstraklasa und Betclic 1 Liga
- Football Meets Data: Schätzung der UEFA-Zahlungen an polnische Klubs 2025/26
- Klubmitteilungen Piast Gliwice, Widzew Łódź, Zagłębie Lubin, Korona Kielce zur Abrechnung 2025/26
FAQ
Wie viel Geld verteilt die polnische Ekstraklasa in der Saison 2026/27? Nach dem geltenden Modell werden 290 Mio. PLN (rund 68 Mio. EUR) an die 18 Klubs verteilt. Hinzu kommen 4,1 Mio. PLN Sonderprämie für den fünften Europapokalteilnehmer sowie rund 3 Mio. PLN an zusätzlichen Werbeleistungen. Der Gesamtetat der Ligagesellschaft liegt bei 367,5 Mio. PLN. Da die Liga konservativ budgetiert, dürfte die tatsächliche Ausschüttung am Saisonende höher ausfallen – in der Vorsaison waren es 301,1 Mio. PLN.
Nach welchem Schlüssel werden die TV-Gelder in Polen verteilt? Vier Säulen: 50 Prozent Sockelbetrag gleichmäßig auf alle Klubs, 33,5 Prozent nach dem sportlichen Ergebnis der laufenden Saison, 14 Prozent nach einem gewichteten Fünfjahres-Ranking und 2,5 Prozent für das Nachwuchsprogramm Młodzieżowiec 2.0. Die Säule sportliches Ergebnis teilt sich intern nochmals auf: 18,5 Prozent für den Tabellenplatz, 14 Prozent für die Europapokalteilnahme und 1 Prozent als Solidarzahlung für Absteiger.
Wie viel bekommt ein Ekstraklasa-Klub mindestens? Der garantierte Sockelbetrag liegt bei rund 8,06 Mio. PLN je Klub (etwa 1,9 Mio. EUR). In der Saison 2025/26 stieg er nachträglich auf 8.222.700 PLN. Für Klubs im unteren Tabellendrittel macht dieser Sockel bis zu 70 Prozent der gesamten Ligazahlung aus.
Wer zeigt die Ekstraklasa und wie lange läuft der Vertrag? Canal+ Polska hält die exklusiven Live-Rechte in Polen bis zum Ende der Saison 2026/27. Der im Oktober 2022 geschlossene Vierjahresvertrag hat ein Volumen von knapp 1,3 Mrd. PLN. Canal+ muss ein Spiel pro Spieltag an einen frei empfangbaren Sender sublizenzieren; diese Rolle übernimmt TVP Sport. Die Ausschreibung für den Zyklus ab 2027/28 soll im September 2026 starten.
Warum verdient der Meister so viel mehr als ein Mittelfeldklub? Der entscheidende Hebel ist nicht der Tabellenplatz, sondern die Europapokalprämie. Sie macht 14 Prozent des Topfes aus, geht aber nur an fünf Klubs. In der Saison 2025/26 vereinnahmten die fünf Europapokalteilnehmer zusammen 132,7 Mio. PLN – rund 44 Prozent der Gesamtausschüttung. Der Abstand zwischen Erstem und Letztem der Auszahlungsliste betrug etwa 27,7 Mio. PLN.
Ist die polnische „1. Liga“ dasselbe wie die Ekstraklasa? Nein. Die Ekstraklasa ist die höchste Spielklasse Polens. Die Betclic 1. Liga ist die zweite Liga und wird vom Verband PZPN vermarktet, nicht von der Ekstraklasa S.A. Für die Saison 2026/27 stehen den 1.-Liga-Klubs zusammen 27 Mio. PLN aus zentralen Marketing- und Fernsehrechten zu – im Schnitt rund 1,5 Mio. PLN pro Klub.
Wann werden die Gelder ausgezahlt? In vier Tranchen: die erste Hälfte des Sockelbetrags im Juli, die zweite im Oktober, die Abrechnung des historischen Rankings im Januar und alle übrigen Positionen bis 14 Tage nach Saisonende.