TV-Gelder Ungarn 2026/27: Wie die NB I ihre Medienerlöse verteilt
Die ungarische Nemzeti Bajnokság I (NB I), die ab der Saison 2026/27 wieder unter dem Namen OTP Bank Liga antritt, funktioniert finanziell fundamental anders als die Bundesliga oder die Premier League. Es gibt keinen freien Markt für TV-Rechte mit konkurrierenden Pay-TV-Sendern – stattdessen fließt das Geld über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und staatsnahe Unternehmen in einen zentralen Fördertopf, aus dem die zwölf Erstligisten bezuschusst werden.
Die drei zentralen Geldquellen der Saison 2026/27
Laut einer Mitteilung des ungarischen Fußballverbands MLSZ vom Juli 2026 speist sich die zentrale Finanzierung der NB I aus drei Einjahresverträgen:
| Quelle | Zweck | Betrag (HUF) | Betrag (EUR) |
|---|---|---|---|
| MTVA (öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt) | Fernsehübertragungsrechte | 6 Mrd. HUF | ca. 16,5 Mio. € |
| Szerencsejáték Zrt. (staatliches Glücksspielunternehmen) | Marketingrechte | 6 Mrd. HUF | ca. 16,5 Mio. € |
| Szerencsejáték Zrt. | Wettrechte | 3 Mrd. HUF | ca. 8,2 Mio. € |
Bemerkenswert: Die TV-Rechte-Gebühr von MTVA ist gegenüber dem vorherigen Vertrag (10 Mrd. HUF) um rund 40 Prozent gesunken. Dass der insgesamt an die Klubs ausgeschüttete Betrag trotzdem nicht im gleichen Maß zurückging, liegt an den zusätzlichen Mitteln von Szerencsejáték Zrt.
Alle drei Verträge laufen zunächst nur für eine Saison – die langfristige Finanzierungsbasis der Liga bleibt damit ungewiss.
Der Verteiltopf: 10,5 Milliarden HUF für zwölf Klubs
Der MLSZ hat für die Saison 2026/27 einen zentralen Verteiltopf von 10,5 Milliarden HUF (ca. 28,9 Millionen Euro) angekündigt, der unter den zwölf NB-I-Klubs aufgeteilt wird. Anders als etwa bei der Gleichverteilungssäule der Bundesliga erfolgt die Auszahlung nicht nach einem festen, öffentlich einsehbaren Schlüssel für alle Klubs gleichermaßen, sondern ist an sportliche und personalpolitische Kriterien geknüpft.
Leistungsbezogene Förderung: Der Einsatz ungarischer und junger Spieler entscheidet
Der auffälligste Unterschied zu westeuropäischen Verteilmodellen ist die direkte Kopplung der Förderung an den Einsatz ungarischer und junger Spieler. Verwaltet wird dieser Mechanismus über den sogenannten Produktivitási és Szolidaritási Alap („Produktivitäts- und Solidaritätsfonds“).
- Bis zu 45 Prozent des zentralen 10,5-Mrd.-HUF-Topfes sind an diese Kriterien gebunden – umgerechnet bis zu 4,725 Mrd. HUF (rund 13 Mio. €).
- Klubs sollen im Schnitt fünf ungarische Spieler auf dem Feld haben, davon mindestens einen U21-Spieler.
- Seit dem Finanzzyklus 2025/26 liegt die maximale Förderung pro Klub und Saison bei 500 Millionen HUF (ca. 1,3 Mio. €) – Voraussetzung ist 100-prozentige Einhaltung der Quote über alle 33 Runden der Saison hinweg.
- Wird die strikte Quote verfehlt, aber eine niedrigere Schwelle an durchschnittlichen Einsatzminuten erreicht, greift eine zweite Förderstufe mit einer Basisauszahlung von 325 Millionen HUF.
- Da das System formal als „Empfehlung“ und nicht als verpflichtende Auflage gilt, drohen bei Nichteinhaltung keine Strafzahlungen oder Sanktionen im eigentlichen Sinne. Stattdessen verfällt der jeweilige Förderanteil freiwillig – die Mittel fließen dann laut MLSZ typischerweise in die Nachwuchsförderung, den Amateur- und Grassroots-Bereich oder werden unter den regelkonformen Klubs neu verteilt.
Der finanzielle Anreiz wirkt sich nachweislich auf Personalentscheidungen aus: Laut der Analyse von Mfor bestätigte Nyíregyháza-Trainer Tamás Bódog, dass die Einwechslung des 19-jährigen Torhüters Mátyás Molnár gegen Újpest auch mit der Erfüllung der Jugendspieler-Quote zusammenhing.
Übertragung: Free-TV statt Pay-TV
Im Gegensatz zu den meisten großen europäischen Ligen laufen die NB-I-Spiele kostenlos über M4 Sport, M4 Sport+ (Duna World) sowie im Livestream auf m4sport.hu. Ein Pay-TV-Modell mit exklusiven Sublizenzen, wie es Sky und DAZN in der Bundesliga praktizieren, existiert in Ungarn für die NB I nicht.
Warum das Modell so anders funktioniert als in der Bundesliga
Der zentrale Unterschied zum deutschen Vier-Säulen-Modell: Während die DFL ihre nationalen Medienerlöse aus einem kompetitiven Markt mit mehreren Bietern (Sky, DAZN, ARD, ZDF) generiert und über Gleichverteilung, Leistung, Interesse und Nachwuchs verteilt, speist sich die ungarische Förderung überwiegend aus einem einzigen Verhandlungspartner-Kreis um den Staat. Eine Analyse von G7/Mfor zeigt die Konsequenz: Die zwölf NB-I-Klubs erzielten 2024 einen Gesamtumsatz von über 63 Milliarden HUF (ca. 173 Mio. €) – doch Ticket- und Dauerkarteneinnahmen trugen davon nur rund 4 Prozent (ca. 2,54 Mrd. HUF / 7 Mio. €) bei. Zum Vergleich: Spielertransfers brachten den Klubs 2024 rund 9,3 Mrd. HUF (25,6 Mio. €) ein, knapp 15 Prozent des Gesamtumsatzes.
Die Finanzkraft der Klubs ist entsprechend ungleich verteilt: Rekordmeister Ferencváros verfügte 2024 über ein Budget von knapp 20 Mrd. HUF (ca. 55 Mio. €), während kleinere Provinzklubs mit 2 bis 3 Mrd. HUF (5,5 bis 8,2 Mio. €) auskommen mussten. Paks etwa erzielte trotz Vizemeisterschaft im Pokal und drittem Tabellenplatz nur 2,9 Mrd. HUF (8 Mio. €) Umsatz.
Methodik und Transparenz
Alle in diesem Artikel genannten Beträge stammen aus verifizierbaren Quellen (MLSZ-Mitteilung, Analysen von Mfor und G7, aufbereitet durch Daily News Hungary) und werden als solche ausgewiesen. Schätzungen – etwa Mfors hypothetischer „Ticketwert“ einer vollen Saison auf Basis der Eröffnungsspieltag-Zahlen (ca. 2,8 Mrd. HUF) – sind im Text explizit als Modellrechnung gekennzeichnet und fließen nicht in die Kernzahlen zur zentralen Verteilung ein. Nicht öffentlich einsehbar ist der exakte klubspezifische Verteilerschlüssel innerhalb der 10,5-Mrd.-HUF-Fördersumme; anders als beim DFL-Vier-Säulen-Modell veröffentlicht der MLSZ keine klubgenaue Aufschlüsselung nach sportlichem Erfolg, Zuschauerinteresse oder Region. Sollte eine solche Aufschlüsselung künftig veröffentlicht werden, wird dieser Artikel aktualisiert.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel Geld verteilt die ungarische NB I in der Saison 2026/27 zentral an die Klubs? Der MLSZ hat einen zentralen Fördertopf von 10,5 Milliarden HUF (ca. 28,9 Mio. €) für die zwölf Erstligisten angekündigt.
Woher kommt das Geld? Aus drei Einjahresverträgen: 6 Mrd. HUF von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt MTVA für TV-Rechte, 6 Mrd. HUF von der staatlichen Szerencsejáték Zrt. für Marketingrechte sowie 3 Mrd. HUF von Szerencsejáték Zrt. für Wettrechte.
Wird das Geld gleichmäßig verteilt? Nein. Bis zu 45 Prozent der Fördersumme sind an den Einsatz ungarischer und junger Spieler gekoppelt. Klubs mit voller Erfüllung dieser Quote können bis zu 500 Millionen HUF pro Saison erhalten, bei Teilerfüllung sinkt der Betrag auf eine Basisauszahlung von 325 Millionen HUF.
Wo laufen die NB-I-Spiele im TV? Kostenlos auf M4 Sport, M4 Sport+ (Duna World) sowie im Stream auf m4sport.hu.