TV-Gelder in der schottischen Premiership 2026/27: Wer bekommt wie viel?
Die schottische Premiership verteilt ihre Medienerlöse anders als fast jede andere Topliga Europas: Es gibt keine Töpfe, keine Säulen, keine separate Bemessung für Anzahl der TV-Auftritte – einzig und allein die Abschlusstabelle entscheidet. Das macht das schottische Modell zu einem der am wenigsten ausgeglichenen in Europa, mit weitreichenden Folgen für den Wettbewerb an der Tabellenspitze.
Die Fernsehpartner: Sky Sports und Premier Sports
Rechteinhaber der Scottish Premiership (in dieser Saison als „William Hill Premiership“ vermarktet) sind weiterhin zwei Sender:
- Sky Sports ist der Leitsender mit einem bis 2029 laufenden Vertrag und einer Option auf bis zu 60 Live-Spiele pro Saison. Berichten zufolge liegt der Wert dieses Hauptvertrags bei rund 35 Millionen Euro pro Saison.
- Premier Sports zeigt zusätzlich 22 Live-Partien pro Saison im Rahmen eines 2024 geschlossenen Fünfjahresvertrags. Seit der Saison 2025/26 wurde die Vereinbarung erweitert, sodass Premier Sports auch zwei Partien aus der Unterrunde nach dem Tabellensplit übertragen darf – zuvor war der Sender auf die Vorrunde beschränkt.
- BBC Scotland/BBC Alba ergänzen das Angebot mit Highlight-Sendungen, Radio und Livespielen aus der zweiten Liga (Championship), zahlen aber keine vergleichbare Rechtesumme.
Zusammen mit internationalen Rechten und Sponsoring kommt die SPFL nach eigenen Angaben auf ein Gruppeneinkommen von deutlich über 57 Millionen Euro – das schließt allerdings weit mehr als reine TV-Erlöse ein.
Kein Säulenmodell: Nur der Tabellenplatz zählt
Anders als in Deutschland, wo die DFL die Medienerlöse über ein Vier-Säulen-Modell (Grundverteilung, Ligaleistung, Nachwuchsförderung, Wettbewerbsfähigkeit) verteilt, kennt die SPFL kein vergleichbares Konstrukt. Es gibt:
- keine Gleichverteilung eines Sockelbetrags an alle Clubs (wie in der Premier League),
- keine gesonderte Vergütung für TV-Auftritte einzelner Clubs,
- sondern ausschließlich eine gestaffelte Verteilung nach Abschlussplatzierung der Vorsaison.
Der Gesamttopf, der nach Abzug von Verwaltungskosten, Solidarzahlungen und Wettbewerbskosten übrig bleibt, wird auf alle 42 Mitgliedsvereine der vier SPFL-Spielklassen verteilt. Aus historischen Werten (Saison 2023/24, letzte veröffentlichte SPFL-Bilanz) lässt sich die grobe Aufteilung zwischen den Ligen ableiten:
| Liga | Anteil am Gesamttopf |
|---|---|
| Premiership (1. Liga) | rund 82 % |
| Championship (2. Liga) | rund 12 % |
| League One | rund 3,45 % |
| League Two | rund 2,25 % |
Diese Aufteilung ist historisch stabil, könnte sich für 2026/27 aber leicht verschieben, da die aktuelle SPFL-Bilanz erst gegen Ende 2027 veröffentlicht wird.
Die Verteilung innerhalb der Premiership 2026/27
Basierend auf einer Hochrechnung für die laufende Saison beläuft sich der reine Positionstopf der Premiership auf rund 34,25 Millionen Pfund. Die Aufteilung nach Platzierung:
| Platz | Betrag (geschätzt) | Anteil am Premiership-Topf |
|---|---|---|
| 1. | 4,58 Mio. £ | 13,4 % |
| 2. | 3,28 Mio. £ | 9,6 % |
| 3. | 2,82 Mio. £ | 8,25 % |
| 4. | 2,48 Mio. £ | 7,25 % |
| 5. | 2,31 Mio. £ | 6,75 % |
| 6. | 2,22 Mio. £ | 5,75 % |
| 7. | 1,96 Mio. £ | 5,75 % |
| 8. | 1,88 Mio. £ | 5,5 % |
| 9. | 1,79 Mio. £ | 5,25 % |
| 10. | 1,71 Mio. £ | 5 % |
| 11. | 1,62 Mio. £ | 4,75 % |
| 12. | 1,54 Mio. £ | 4,5 % |
Der Meister erhält damit rund 3-mal so viel wie der Tabellenletzte der Premiership – zum Vergleich: In der Premier League liegt dieser Faktor bei etwa 1,6 (Meister ca. 6,2 %, Tabellenletzter ca. 3,85 % des dortigen Gesamttopfs).
Abzüge: VAR-Kosten und Zwangsabgaben
Von ihrem Anteil müssen die zwölf Premiership-Clubs zusätzlich anteilig die Betriebskosten des Video-Assistenten (VAR) tragen. Diese wurden bei Einführung mit rund 1,2 Millionen Pfund pro Saison beziffert und werden – wie die Preisgelder selbst – nach Tabellenplatz gestaffelt umgelegt: Der Meister zahlt anteilig am meisten, der Absteiger am wenigsten.
Absteigende Clubs erhalten zudem sogenannte Fallschirmzahlungen (parachute payments), üblicherweise gestaffelt über zwei Jahre nach dem Abstieg aus der Premiership.
Warum Schottland strukturell zurückliegt
Die SPFL hat kein eigenständiges Verhandlungsgewicht wie große Ligen – anders als in Skandinavien, wo z. B. Norwegens Eliteserien Teil eines deutlich größeren Gesamtpakets ist. Der schottische TV-Deal ist in absoluten Zahlen zwar nicht dramatisch kleiner als etwa der schwedische Allsvenskan-Vertrag, doch die enorme Konzentration der Erlöse auf Celtic und Rangers – verstärkt durch deren europäische Einnahmen – vertieft das Gefälle innerhalb der Liga von Jahr zu Jahr.
Methodik und Datenqualität
- Bestätigt: Struktur des Verteilungsmodells (reine Platzierungslogik ohne Säulensystem), Vertragslaufzeiten und Spielekontingente von Sky Sports und Premier Sports, Existenz von VAR-Kostenumlage und Fallschirmzahlungen.
- Hochgerechnet/geschätzt: Die konkreten Beträge für 2026/27 basieren auf einer Fortschreibung der zuletzt veröffentlichten SPFL-Bilanz (Saison 2023/24) sowie auf Berichten von Branchenmedien und Wettanbietern; die offizielle SPFL-Bilanz für die laufende Saison erscheint frühestens Ende 2027.
- Nicht enthalten: Liga-Cup- und Scottish-Cup-Ausschüttungen, UEFA-Solidarzahlungen sowie individuelle Sponsoring-Erlöse der Clubs.