TV-Gelder Belgien 2026/27: Verteilung in der Jupiler Pro League

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TV-Gelder Belgien 2026/27: So verteilt die Jupiler Pro League ihr Fernsehgeld

Belgien ist in dieser Saison der Sonderfall unter Europas mittelgroßen Ligen. Nicht, weil der Verteilungsschlüssel besonders exotisch wäre – sondern weil zwei Dinge gleichzeitig passieren: Der Topf ist per Schiedsspruch kleiner geworden, und eine der größten Säulen des Schlüssels stand zeitweise ohne Datengrundlage da. Wer 2026/27 wie viel bekommt, ist damit die am wenigsten planbare Zahl im belgischen Profifußball seit Jahren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Medienrechte an den belgischen Profiligen liegen seit 2025/26 und bis 2029/30 bei DAZN. Die Pro League bezifferte die gesicherten Einnahmen auf mindestens 84,2 Mio. € pro Saison (DAZN plus Radiorechte von VRT und RTBF).
  • Für 2026/27 entschied das Schiedsgericht CEPANI im Juni 2026 vorläufig, dass DAZN nur 85 Prozent der vereinbarten Summe zahlen muss – gut 71 Mio. €. DAZN hatte 60 Prozent angestrebt.
  • Ende Juli 2026 beendeten Pro League und DAZN ihren Rechtsstreit per Vergleich. Die Konditionen wurden nicht veröffentlicht.
  • Der Verteilungsschlüssel wurde im Februar 2025 für die gesamte Rechteperiode beschlossen. Er ruht auf vier Säulen: sportliche Kriterien, Solidarität, Einschaltquoten und belgisch ausgebildete Spieler.
  • Rund 30 Prozent des TV-Geldes hängen an Einschaltquoten. Weil DAZN diese Daten im Konflikt nicht herausgab, diskutierte die Liga Ersatzkriterien wie Zuschauerzahlen im Stadion oder ein stärkeres Gewicht der Fünf-Jahres-Wertung.
  • Zusätzlich greift ein Europapokal-Abzug: 5 Prozent der UEFA-Startgelder werden von den europäisch spielenden Klubs einbehalten und unter den übrigen JPL-Klubs verteilt.
  • Parallel wechselt die Liga zum Format mit 18 Klubs und 34 Spieltagen ohne Play-offs – weniger Spiele, andere Verteilungsmechanik.

1. Der Rechtevertrag: DAZN bis 2030

Ende 2024 vergab die Pro League ihre nationalen Medienrechte für den Zyklus 2025–2030 an DAZN. Das Paket umfasst die Live-Rechte an Jupiler Pro League, Challenger Pro League, Lotto Super League, Croky Cup und Supercup sowie Highlights-Magazin, verzögerte Clips und das Montagabend-Magazin. Die Radiorechte gingen an die öffentlich-rechtlichen Sender VRT und RTBF.

Der Sprung nach unten ist erheblich: DAZN zahlte im vorherigen Zyklus rund 103 Mio. € pro Saison. Das ursprüngliche Gebot für den neuen Zyklus lag bei 63 Mio. €, am Ende einigte man sich auf 84,2 Mio. €.

ZyklusRechteinhaberWert p. a.Veränderung
2020/21 – 2024/25Eleven Sports / DAZNca. 103 Mio. €
2025/26 – 2029/30DAZN (+ VRT/RTBF Radio)84,2 Mio. € (vertraglich)−18 %

Zum Vergleich in der Reihe: Die Eredivisie liegt inzwischen über 100 Mio. € p. a., die Bundesliga bei rund 1,1 Mrd. € national. Belgien spielt finanziell in einer anderen Klasse als seine sportliche UEFA-Position vermuten ließe.

2. Der Konflikt – und warum der Topf 2026/27 kleiner ist

DAZN scheiterte daran, mit den belgischen Telekom-Betreibern (Telenet, Proximus, Orange) Weiterverbreitungs-Deals zu schließen. Die Folge: Die Saison 2025/26 lief für die Fans praktisch ausschließlich über die DAZN-App. DAZN erklärte den Vertrag daraufhin für wirtschaftlich nicht tragfähig und stellte Zahlungen ein.

Die Pro League zog vor das Brüsseler Schiedsgericht CEPANI. Der Verlauf in Stichpunkten:

ZeitpunktEntscheidung / Ereignis
Dez. 2025 / Jan. 2026CEPANI verpflichtet DAZN, weiter zu produzieren, zu senden und zu zahlen – zunächst bis 30.06.2026
März 2026Streit um Einschaltquoten-Daten; Pro League verschickt Mahnungen
April 2026DAZN sagt Übertragung bis Ende 2026/27 zu
Mai 2026Einigungen mit Telenet, Proximus und Orange – Fußball wieder im klassischen TV
26./27. Juni 2026Zwischenentscheid: DAZN zahlt 2026/27 nur 85 %71 Mio. €. Kein Rechtsmittel möglich
29. Juli 2026Vergleich: Rechtsstreit beendet, Zusammenarbeit bis 2030, Details nicht veröffentlicht

Für die Klubs heißt das: Der ausgeschüttete Betrag für 2026/27 liegt nach heutigem Stand rund 13 Mio. € unter dem Vertragswert – es sei denn, der Juli-Vergleich hat daran etwas geändert. Genau das ist öffentlich nicht bekannt.

3. Der Verteilungsschlüssel: vier Säulen

Die Generalversammlung der Pro League beschloss den Schlüssel am 27. Februar 2025 – im selben Beschlusspaket wie die Formatreform. Er gilt für fünf Jahre, also für den gesamten DAZN-Zyklus.

SäuleInhaltWirkung
Sportliche KriterienTabelle der Vorsaison plus Leistung über fünf SaisonsBelohnt aktuelle und nachhaltige Leistung; dämpft Ausreißerjahre
SolidaritätFixer, gleich verteilter AnteilSicherheitsnetz für kleinere Klubs
EinschaltquotenReichweite der eigenen Spiele (Challenger Pro League: Zuschauerzahlen im Stadion)Belohnt Marktwert und Fanbasis – die G5-Säule
Belgisch ausgebildete SpielerEinsatzminuten von Spielern, die vor dem 18. Geburtstag mindestens drei Saisons bei einem belgischen Klub gemeldet warenAusbildungsanreiz

Dazu kommen zwei Umverteilungsmechanismen:

Solidarität nach unten. Aus dem Gesamttopf fließen Beiträge an die Challenger Pro League, die Lotto Super League (Frauen) sowie an die höchsten Amateurklassen von Voetbal Vlaanderen und ACFF.

Europapokal-Abzug. Ein Betrag in Höhe von 5 Prozent der UEFA-Startgelder für die Ligaphase wird den europäisch spielenden Klubs abgezogen und solidarisch unter jenen JPL-Klubs verteilt, die nicht mindestens die Ligaphase eines UEFA-Wettbewerbs erreichen. Das ist der interessanteste Mechanismus des belgischen Modells: Er greift die europäische Einkommensschere direkt an – ein Instrument, das etwa in der Bundesliga oder der Eredivisie in dieser Form fehlt.

4. Die 30-Prozent-Frage

Der wunde Punkt: Rund 30 Prozent des TV-Geldes werden über Einschaltquoten verteilt. Solange die Rechte bei einem klassischen Sender lagen, kamen diese Daten über etablierte Messung. Mit dem Wechsel zu einem reinen Streaming-Modell wurde daraus ein Konfliktfeld.

Die Pro League verlangte die Quotendaten von DAZN und verschickte mehrere Mahnungen. DAZN bestritt eine entsprechende Verpflichtung: Die Herausgabe von Zuschauerzahlen sei nicht Teil dessen, was CEPANI angeordnet habe. Auf der Generalversammlung vom 31. März 2026 stand deshalb der Schlüssel selbst auf der Tagesordnung.

Diskutierte Alternativen für die 30-Prozent-Säule:

  1. Zuschauerzahlen im Stadion – begünstigt Klubs mit großen Arenen (Club Brugge, Genk, Anderlecht) und benachteiligt reichweitenstarke, aber kleinstadionige Vereine wie Union SG.
  2. Fünf-Jahres-Wertung mit höherem Gewicht – zementiert die bestehende Hierarchie und macht Aufsteiger strukturell chancenlos.
  3. Rückkehr zu regulärer Quotenmessung – realistisch geworden, seit DAZN ab 2026/27 wieder über Telenet, Proximus und Orange verbreitet wird und Reichweiten damit wieder über klassische Messsysteme erfassbar sind.

Einschätzung der Redaktion: Option 3 ist der wahrscheinlichste Ausgang, weil die Operator-Deals das ursprüngliche Problem an der Wurzel lösen. Die Übergangssaison 2025/26 dürfte aber dauerhaft eine Datenlücke hinterlassen – mit potenziellen Nachverrechnungen. Eine offizielle Bestätigung der finalen Regelung steht zum Redaktionsschluss aus.

5. Belgisch ausgebildete Spieler: die kleinste, aber sichtbarste Säule

Die Ausbildungssäule ist betragsmäßig klein, aber öffentlichkeitswirksam. Gewertet werden Einsatzminuten belgisch ausgebildeter Spieler, maximal 90 Minuten pro Spiel, Stichtag ist das Ende der regulären Saison.

Die zuletzt öffentlich gemachten Prämien (Saison 2024/25) zeigen die Größenordnung:

PlatzKlubPrämie
1KV Mechelen600.000 €
2FCV Dender EH500.000 €
3KRC Genk400.000 €
4RSC Anderlecht300.000 €

KV Mechelen führte diese Wertung damit vier Saisons in Folge an. Zum Kontext: Die Jugendinvestitionen der belgischen Profiklubs stiegen von 49 Mio. € (2022) auf 78 Mio. € (2024).

6. Was der Formatwechsel bedeutet

Ab 2026/27 spielt die Jupiler Pro League mit 18 Klubs, 34 Spieltagen und ohne Play-offs – erstmals seit 2008/09. Die beiden Letzten steigen direkt ab, die Plätze 2 bis 4 spielen europäisch.

Für die TV-Geld-Verteilung hat das drei Konsequenzen:

  • Mehr Empfänger, weniger Spiele. Der Topf wird auf 18 statt 16 Klubs aufgeteilt, bei gleichzeitig geringerer Spielanzahl pro Klub. Kleinere Vereine hatten deshalb im Vorfeld Kompensation gefordert – Union-Geschäftsführer Philippe Bormans argumentierte, dass weniger Spiele weniger TV-Einnahmen bedeuten und das ausgerechnet die Klubs trifft, für die TV-Geld existenziell ist.
  • Wegfall der Play-off-Punkte. Der bisherige Schlüssel bewertete Ergebnisse aus regulärer Saison und Play-offs separat. Ohne Play-offs ist die Abschlusstabelle die einzige sportliche Referenz – eine deutliche Vereinfachung.
  • Anhaltende Rechtsunsicherheit. Gegen die Reform liefen bis Mitte Juni 2026 Verfahren, unter anderem von KAA Gent. Die U23-Quotenregel für die Challenger Pro League wurde gekippt; die 18er-Liga blieb bestehen.

7. Historische Einordnung: Wie ungleich verteilt Belgien?

Belastbare Klubwerte für 2026/27 existieren nicht. Als Orientierung dient die letzte breit berichtete Schätzung aus dem alten, deutlich größeren Vertrag (Saison 2020/21, Berechnung von Het Nieuwsblad):

RangKlubGeschätztes TV-Geld 2020/21
1Club Brugge11,5 Mio. €
2RSC Anderlecht10,6 Mio. €
3KAA Gent10,2 Mio. €
4Standard Lüttich9,1 Mio. €
5KRC Genk7,9 Mio. €
6Royal Antwerp5,25 Mio. €
7–9Charleroi, Zulte Waregem, Kortrijkjeweils > 4 Mio. €

Das Verhältnis zwischen Erstem und Sechstem lag bei etwa 2,2 : 1 – die berüchtigte Kluft zwischen „G5″ und dem Rest. Der aktuelle Schlüssel mit stärkerer Solidaritätskomponente und Europapokal-Abzug dürfte diese Spreizung reduzieren, ohne sie aufzuheben.

8. Szenario-Rechnung 2026/27

Da weder die exakten Säulengewichte noch die finale Ausschüttungssumme veröffentlicht sind, hier eine reine Rahmenrechnung zur Größenordnung:

SzenarioAusschüttungsbasisØ je JPL-Klub (18) vor Solidaritätsabzügen
Vertragswert (100 %)84,2 Mio. €ca. 4,7 Mio. €
CEPANI-Entscheid (85 %)ca. 71,6 Mio. €ca. 4,0 Mio. €
DAZN-Maximalforderung (60 %)ca. 50,5 Mio. €ca. 2,8 Mio. €

Wichtig: Diese Durchschnitte sind bewusst grob. Aus dem Gesamttopf werden zuvor Challenger Pro League, Lotto Super League und Amateurverbände bedient; die tatsächliche JPL-Basis liegt entsprechend niedriger. Die Werte dienen ausschließlich der Größeneinordnung, nicht als Klubprognose.


Transparenz: Was verifiziert ist – und was nicht

AngabeStatusQuelle
DAZN hält Rechte 2025–2030VerifiziertPro League
Vertragswert 84,2 Mio. € p. a. (inkl. VRT/RTBF Radio)VerifiziertPro League
Vier Säulen des Schlüssels + Europapokal-Abzug (5 %)VerifiziertPro League
Quoten-Säule ≈ 30 %Berichtet (Medien, nicht offiziell bestätigt)Het Nieuwsblad / Het Belang van Limburg
CEPANI-Zwischenentscheid 85 % ≈ 71 Mio. € für 2026/27VerifiziertSporza / VRT NWS
Inhalt des Vergleichs vom 29.07.2026Unbekannt – nicht veröffentlichtPro League / DAZN
Finale Regelung der Quoten-Säule für 2026/27Offen
Exakte prozentuale Gewichte der übrigen SäulenNicht öffentlich
Klubindividuelle Beträge 2026/27Nicht verfügbar – jede Zahl wäre Spekulation
Prämien „belgisch ausgebildete Spieler“ (600/500/400/300 T€)Verifiziert für 2024/25Pro League
Klubschätzungen 2020/21Medienschätzung, alter VertragHet Nieuwsblad

Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald die Pro League die Ausschüttung für 2026/27 bestätigt. Stand: August 2026.


FAQ

Wie viel TV-Geld gibt es 2026/27 in der belgischen ersten Liga? Vertraglich sind 84,2 Mio. € pro Saison vorgesehen. Für 2026/27 entschied das Schiedsgericht CEPANI jedoch, dass DAZN nur 85 Prozent zahlen muss – rund 71 Mio. €. Ob der Vergleich vom Juli 2026 daran etwas geändert hat, ist nicht öffentlich bekannt. Aus diesem Betrag werden zudem die Challenger Pro League, die Frauenliga und die Amateurverbände mitfinanziert.

Nach welchen Kriterien wird das TV-Geld in Belgien verteilt? Nach vier Säulen: sportliche Kriterien (Vorjahrestabelle plus Fünf-Jahres-Wertung), Solidarität, Einschaltquoten und Einsatzminuten belgisch ausgebildeter Spieler. Hinzu kommen Solidaritätsbeiträge an untere Ligen und ein Abzug von 5 Prozent der UEFA-Startgelder bei europäisch spielenden Klubs.

Warum gab es Streit um die Einschaltquoten? Etwa 30 Prozent des TV-Geldes hängen an Reichweiten. DAZN übermittelte diese Daten im Zuge des Rechtsstreits nicht und bestritt eine Verpflichtung dazu. Die Pro League prüfte deshalb Ersatzkriterien wie Stadionzuschauerzahlen oder ein stärkeres Gewicht der sportlichen Wertung.

Welcher Klub bekommt am meisten TV-Geld in Belgien? Für 2026/27 liegen keine belastbaren Klubwerte vor. In früheren Zyklen führten Club Brugge und RSC Anderlecht die Verteilung an, gefolgt von KAA Gent, Standard Lüttich und KRC Genk.

Was ändert sich durch die Reform auf 18 Klubs? Ab 2026/27 spielen 18 Klubs 34 Spieltage ohne Play-offs. Der Topf verteilt sich auf mehr Klubs bei weniger Spielen pro Klub. Die Abschlusstabelle ersetzt die bisherige Doppelwertung aus regulärer Saison und Play-offs.

Wie viel bekommt ein Klub für belgisch ausgebildete Spieler? 2024/25 erhielt der Erstplatzierte KV Mechelen 600.000 €, gefolgt von Dender (500.000 €), Genk (400.000 €) und Anderlecht (300.000 €). Als belgisch ausgebildet gilt, wer vor dem 18. Geburtstag mindestens drei Saisons bei einem belgischen Klub gemeldet war.

Vielen Dank für dein Interesse!

Gründer von Fussball-Geld.de. Studierter Jurist und Master im Sportmanagement. Interesse für Zahlen, Übersichten, Recht und wirtschaftliche Hintergründe im Fußball.

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