Das Wichtigste in Kürze
- In der Saison 2026/27 gibt es in Portugal keinen Verteilungsschlüssel. Jeder Klub der Liga Portugal vermarktet die Rechte an seinen Heimspielen einzeln – Portugal ist damit die letzte große europäische Liga ohne Zentralvermarktung.
- Benfica hat mit rund 52,3 Mio. € pro Saison an reinen TV-Rechten den mit Abstand größten Einzelvertrag des portugiesischen Fußballs abgeschlossen (Laufzeit 2026/27 und 2027/28).
- Der gesamte nationale Rechtemarkt wird auf rund 180 bis 195 Mio. € pro Saison taxiert. Die drei Großklubs vereinen davon etwa 60 Prozent.
- Die Spreizung zwischen dem bestbezahlten und dem schlechtestbezahlten Erstligisten liegt aktuell beim 14- bis 15-Fachen – ein europäischer Extremwert.
- Ab 2028/29 greift die gesetzlich verordnete Zentralvermarktung. Der im Juni 2026 beschlossene Schlüssel sieht 90 % für die I Liga, 10 % für die Liga 2 vor, innerhalb der ersten Liga dominiert mit 57,5 % die sportliche Leistung.
1. Warum es 2026/27 keinen Verteilungsschlüssel gibt
Wer nach dem „portugiesischen Verteilungsschlüssel“ für die Saison 2026/27 sucht, sucht nach etwas, das es nicht gibt. Anders als die Bundesliga, die Premier League, LaLiga, die Serie A oder die Ligue 1 vermarktet Portugal seine nationalen Medienrechte bis einschließlich 2027/28 dezentral: Jede SAD (die portugiesische Kapitalgesellschaftsform der Profiklubs) verkauft die Rechte an den eigenen Heimspielen selbst und verhandelt Laufzeit, Preis und Partner in eigener Regie.
Die Folge ist ein Flickenteppich aus bilateralen Verträgen mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten und Volumina. Es existiert kein zentraler Topf, keine Solidaritätskomponente, keine Leistungssäule – und damit auch keine Tabelle, die für die laufende Saison einen prozentualen Anteil je Klub ausweisen könnte.
Diese Konstruktion läuft aus. Das Decreto-Lei n.º 22-B/2021 vom 22. März 2021 schreibt fest, dass Verträge, die einzelne Klubs der I und II Liga über Übertragungsrechte abgeschlossen haben, über die Saison 2027/28 hinaus keine Wirkung entfalten. Ab 2028/29 ist die Einzelvermarktung untersagt.
Die Saisons 2026/27 und 2027/28 sind damit eine ausdrückliche Übergangsphase: Klubs, deren Altverträge im Sommer 2026 ausliefen, konnten nur noch Zweijahresverträge bis zum Start der Zentralvermarktung abschließen.
2. Die Rechtelandschaft 2026/27: Wer überträgt was
| Rechteinhaber | Umfang 2026/27 | Bemerkung |
|---|---|---|
| Sport TV | Heimspiele der großen Mehrheit der 18 Erstligisten | Gesellschafter: MEO (Altice), NOS, Vodafone und Olivedesportos zu je 25 % |
| BTV (Benfica TV) | Heimspiele Benfica, exklusiv | Klubeigener Pay-Kanal, Distribution über NOS |
| MEO / Altice | Heimspiele FC Porto, Porto Canal | Vertrag läuft bis Juni 2028 |
| NOS | Heimspiele Sporting CP, Sporting TV | Vertrag läuft bis 2027/28 |
| Media Capital (TVI / V+) | Heimspiele Moreirense | Vertrag August 2025 bis Juni 2028, teils Free-TV |
| Sportdigital (DE) | Auslandsrechte Deutschland | Verlängert für 2026/27 und 2027/28, vermittelt über SPORTFIVE |
Bemerkenswert an der Übergangsphase: Mehrere Klubverträge endeten im Sommer 2026. Sport TV hat mit einem Teil dieser Klubs neue Zweijahresverträge geschlossen und kann bei den übrigen ein Vorkaufsrecht ziehen – ein Instrument, das angesichts des Interesses anderer Anbieter an Bedeutung gewinnt.
3. Was die Klubs 2026/27 einnehmen
Nur ein einziger Vertrag der laufenden Saison ist über eine CMVM-Meldung (portugiesische Wertpapieraufsicht) belastbar dokumentiert – der von Benfica. Alle übrigen Werte sind Marktschätzungen, weil die Verträge vertraulich sind.
3.1 Benfica: der Referenzvertrag
Benfica und NOS haben im Januar 2026 einen Vertrag für die Saisons 2026/27 und 2027/28 unterzeichnet:
| Komponente | Volumen (2 Saisons) | pro Saison |
|---|---|---|
| Übertragungs- und Multimediarechte Heimspiele + Distribution BTV | 104,6 Mio. € | 52,3 Mio. € |
| Werbevermarktung des Kanals BTV | 2,4 Mio. € | 1,2 Mio. € |
| Einbehaltene dynamische Stadionwerbung Estádio da Luz | 7,2 Mio. € | 3,6 Mio. € |
| Summe „TV-bezogene Erlöse“ laut Klub | 114,2 Mio. € | 57,1 Mio. € |
Einordnung: Die vom Klub kommunizierten 57,1 Mio. € pro Saison sind kein reiner TV-Rechte-Erlös. Die belastbare Vergleichsgröße gegenüber anderen Ligen ist die direkte Gegenleistung von 104,6 Mio. € für zwei Saisons, also 52,3 Mio. € jährlich. Die Differenz entfällt auf Werbeinventar, das Benfica ohnehin selbst behält.
Zum Vergleich: Der 2015 geschlossene Vorgängervertrag lief über zehn Saisons und 400 Mio. €, also nominal 40 Mio. € pro Jahr. Der neue Vertrag bedeutet einen nominalen Sprung von rund 30 Prozent – in einem europäischen Umfeld, in dem nationale Medienrechte eher stagnieren.
3.2 Die Gesamtverteilung (Schätzung)
| Klub / Gruppe | Rechteinhaber | TV-Erlös p. a. (Schätzung) | Datenqualität |
|---|---|---|---|
| SL Benfica | NOS / BTV | 52,3 Mio. € | verifiziert (CMVM, Jan. 2026) |
| FC Porto | MEO / Altice | ca. 35 Mio. € | geschätzt |
| Sporting CP | NOS | ca. 35 Mio. € | geschätzt |
| SC Braga | Sport TV | ca. 7,5 Mio. € | geschätzt |
| Vitória Guimarães | Sport TV | ca. 7,5 Mio. € | geschätzt |
| übrige 13 Klubs | Sport TV / Media Capital | je ca. 3,5 – 5,0 Mio. € | geschätzt |
Schätzwerte auf Basis von Marktinformationen zum Ende der Saison 2024/25; für Benfica wurde der neue Vertragswert eingesetzt. Die Angaben zu Porto und Sporting sind besonders unsicher, weil beide Verträge Paketverträge sind (siehe Methodik).
3.3 Warum Porto und Sporting so schwer zu bewerten sind
FC Porto (457,5 Mio. €) und Sporting (515 Mio. €) haben Ende 2015 Rahmenverträge über zehn beziehungsweise mehrere gestaffelte Laufzeiten abgeschlossen, die weit mehr als Übertragungsrechte umfassen:
- Übertragungsrechte an den Heimspielen der Liga
- Distribution des jeweiligen Klubkanals (Porto Canal, Sporting TV)
- Trikot-Hauptsponsoring
- statische, virtuelle beziehungsweise kommerzielle Werbeflächen im Stadion
Keiner der beiden Klubs hat die Aufteilung der Gesamtsumme auf diese Komponenten offengelegt. Publizierte Jahreswerte von „35 Mio. €“ sind daher abgeleitete Schätzungen, keine Vertragswerte. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Klubs ihre TV-Forderungen teilweise verbrieft und an Finanzinvestoren abgetreten haben – die Zahlungen fließen also zeitweise nicht an den Klub, sondern an die Verbriefungsvehikel.
4. Die Spreizung: europäischer Extremwert
Der entscheidende Kennwert der portugiesischen Einzelvermarktung ist das Verhältnis zwischen dem bestbezahlten und dem schlechtestbezahlten Erstligisten.
| Liga | Spreizung (Top zu Letzter, national) |
|---|---|
| Portugal (aktuell) | ca. 14- bis 15-fach |
| Spanien | ca. 3-fach |
| Italien | ca. 3-fach |
| Deutschland | ca. 2,5-fach |
| England | ca. 1,3- bis 1,5-fach |
Konkret: Ein Klub wie Arouca oder Casa Pia verhandelt rund 3,5 Mio. € pro Saison, Benfica ab 2026/27 mehr als 52 Mio. €. Genau diese Ungleichheit war die politische Begründung des Gesetzgebers für die Zwangszentralisierung – die Regierung verwies bei Verabschiedung des Dekrets ausdrücklich auf einen Faktor von rund 15 gegenüber deutlich ausgeglicheneren Werten in den Vergleichsligen.
5. Ab 2028/29: der beschlossene Verteilungsschlüssel
Am 8. Juni 2026 hat die Generalversammlung der Liga Portugal mit rund 80 Prozent Zustimmung der 33 stimmberechtigten Sportgesellschaften den Verteilungsschlüssel für die Zentralvermarktung beschlossen. Die Wettbewerbsbehörde Autoridade da Concorrência (AdC) hat das Vermarktungsmodell am 19. Juni 2026 positiv bewertet.
5.1 Erste Stufe: Ligenaufteilung
| Wettbewerb | Anteil | bei 225 Mio. € Gesamttopf |
|---|---|---|
| I Liga (18 Klubs) | 90 % | 202,5 Mio. € |
| Liga 2 | 10 % | 22,5 Mio. € |
5.2 Zweite Stufe: Säulen innerhalb der I Liga
| Säule | Gewicht | Volumen bei 202,5 Mio. € |
|---|---|---|
| Sportlicher Erfolg (Abschlussplatzierung, Platzierungshistorie, Beitrag zum UEFA-Ranking) | 57,5 % | 116,4 Mio. € |
| Sockelbetrag zu gleichen Teilen | 20,0 % | 40,5 Mio. € → 2,25 Mio. € je Klub |
| Zuschauerschnitt im Stadion und TV-Reichweite | 17,5 % | 35,4 Mio. € |
| Produktionsbedingungen für die Übertragung | ca. 3,0 % | 6,1 Mio. € |
| Rasenqualität, Flutlicht, Medienarbeitsbedingungen | 2,0 % | 4,1 Mio. € |
5.3 Der entscheidende Punkt, der medial untergegangen ist
Der im Dezember 2025 auf dem Präsidentengipfel vorgestellte Entwurf sah eine andere Gewichtung vor: 44,2 % sportlicher Erfolg, 33,2 % Sockelbetrag, 17,6 % Reichweite. Der im Juni 2026 tatsächlich beschlossene Schlüssel verschiebt 13,3 Prozentpunkte vom Sockel in die Leistungssäule.
Das ist keine Detailänderung, sondern eine strukturelle Korrektur zugunsten der Spitzenklubs. Der garantierte Sockel je Erstligist fällt von rund 3,65 Mio. € auf 2,25 Mio. € (jeweils im 225-Mio.-€-Szenario). Wer ältere Modellrechnungen zur portugiesischen Zentralisierung liest, rechnet mit dem falschen Schlüssel.
Hinweis zur Datenlage: Die Untergewichtung innerhalb der 57,5-Prozent-Säule – also wie sich Abschlussplatzierung, Historie und UEFA-Ranking-Beitrag zueinander verhalten – ist bislang nicht veröffentlicht. Belastbare klubgenaue Prognosen für 2028/29 sind deshalb noch nicht möglich.
5.4 Zielvolumen und Spreizung
Die Liga kalkuliert für den ersten Zentralvermarktungszyklus mit einem Volumen von rund 225 Mio. € pro Saison – gegenüber geschätzten 180 Mio. € im aktuellen Einzelvermarktungsmarkt ein angestrebtes Plus von etwa 25 Prozent. Die Spreizung soll dabei vom rund 14-Fachen auf etwa das 7-Fache sinken, mit der erklärten Absicht, sie in späteren Zyklen weiter zu reduzieren.
6. Offene Fronten
Benfica: Der Rekordmeister stimmte als einziger Klub gegen das Vermarktungsmodell und hat im August 2026 eine Petition beim portugiesischen Parlament eingereicht mit dem Ziel, die Zentralisierung auszusetzen. Kern der Argumentation: Freiwilligkeit der Teilnahme, Schutz von Erlösen und Investitionsfähigkeit, Kontrolle der Zentralvermarktungsgesellschaft durch die Klubs. Die Liga hat erklärt, das Dekret weiterhin umzusetzen.
Die Rechenlogik dahinter: Modellrechnungen auf Basis des Dezember-Entwurfs kamen zu dem Ergebnis, dass Benfica, Sporting und FC Porto selbst bei einem Gesamtvolumen von 225 Mio. € zweistellige Millionenbeträge pro Saison verlieren würden. Erst bei Gesamtvolumina von 430 bis 500 Mio. € wären sie in etwa gehalten worden – Größenordnungen, die der portugiesische Markt nicht hergibt. Der im Juni beschlossene, leistungsgewichtetere Schlüssel dämpft diesen Effekt, hebt ihn aber nicht auf.
Der Ausschreibungsprozess: Wie die Rechtepakete zugeschnitten werden, ist noch offen. Die AdC hat die Paketierung ausdrücklich positiv hervorgehoben, weil sie mehr als einen Anbieter im Markt halten soll. Als potenzielle Bieter gelten neben Sport TV unter anderem DAZN, Media Capital und die Telekommunikationsanbieter.
7. Methodik und Quellenlage
Verifiziert: Der Benfica-Vertrag (104,6 Mio. € für zwei Saisons zuzüglich 2,4 Mio. € Kanalwerbung und 7,2 Mio. € einbehaltener Stadionwerbung) beruht auf der CMVM-Pflichtmitteilung vom 26. Januar 2026. Die Rahmenwerte der Verträge von FC Porto (457,5 Mio. €) und Sporting (515 Mio. €) beruhen ebenfalls auf CMVM-Mitteilungen, betreffen aber Leistungsbündel und keine reinen TV-Rechte.
Geschätzt: Sämtliche Jahreswerte außer Benfica. Portugiesische Klubverträge sind vertraulich; die kolportierten Größenordnungen stammen aus Marktberichterstattung zum Ende der Saison 2024/25 und wurden hier unverändert übernommen. Sie sind als Größenordnung, nicht als Vertragswert zu lesen.
Nicht enthalten: Auslandsvermarktung, UEFA-Prämien, Pokalwettbewerbe. Die Auslandsrechte werden in Portugal zentral über die Liga vermarktet und fließen nicht in die hier dargestellten Klubverträge ein.
Primärquellen:
- Decreto-Lei n.º 22-B/2021 vom 22. März 2021 (Zentralvermarktung ab 2028/29)
- CMVM-Mitteilungen Benfica SAD, FC Porto SAD, Sporting SAD
- Liga Portugal, Beschluss der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. Juni 2026
- Autoridade da Concorrência, Stellungnahme vom 19. Juni 2026
8. FAQ
Wie werden die TV-Gelder in Portugal 2026/27 verteilt? Gar nicht – es gibt keinen Verteilungsschlüssel. Jeder Klub der Liga Portugal vermarktet die Rechte an seinen Heimspielen einzeln und behält die Erlöse vollständig. Ein zentraler Topf entsteht erst ab der Saison 2028/29.
Welcher portugiesische Klub verdient 2026/27 am meisten an TV-Geldern? Benfica. Der Klub erhält von NOS 104,6 Mio. € für die Saisons 2026/27 und 2027/28, also 52,3 Mio. € pro Saison für die reinen Übertragungs- und Multimediarechte. Inklusive Werbekomponenten beziffert der Klub die TV-bezogenen Erlöse auf 57,1 Mio. € pro Saison.
Wie viel bekommen kleinere Klubs der Liga Portugal? Marktschätzungen bewegen sich für die Klubs außerhalb der Spitzengruppe bei etwa 3,5 bis 5,0 Mio. € pro Saison. SC Braga und Vitória Guimarães liegen mit rund 7,5 Mio. € dazwischen.
Ab wann gibt es in Portugal Zentralvermarktung? Ab der Saison 2028/29. Grundlage ist das Decreto-Lei n.º 22-B/2021, wonach Einzelverträge über die Saison 2027/28 hinaus keine Wirkung entfalten.
Wie sieht der Verteilungsschlüssel ab 2028/29 aus? 90 Prozent der Erlöse gehen an die I Liga, 10 Prozent an die Liga 2. Innerhalb der ersten Liga entfallen 57,5 Prozent auf sportlichen Erfolg, 20 Prozent auf einen gleichen Sockelbetrag, 17,5 Prozent auf Zuschauer- und Reichweitenkennzahlen, rund 3 Prozent auf Produktionsbedingungen und 2 Prozent auf Infrastrukturqualität.
Wie groß ist der portugiesische TV-Markt im Vergleich? Der nationale Rechtemarkt wird auf etwa 180 bis 195 Mio. € pro Saison geschätzt, die Liga strebt für den ersten Zentralvermarktungszyklus rund 225 Mio. € an. Zum Vergleich: Die Bundesliga liegt national bei gut 1,1 Mrd. € pro Saison.