Die zentrale Antwort vorweg
In der Regionalliga gibt es keine TV-Gelder im Sinne der Bundesliga oder der 3. Liga. Es existiert kein zentraler Rechteverkauf, keine Ausschüttungssystematik, keine Säulenlogik und keine Verteilertabelle. Die vierte Liga ist die höchste deutsche Spielklasse ohne einheitlichen Ligaträger – und damit ohne einheitliche Medienvermarktung.
Zuständig sind fünf voneinander unabhängige Träger: der Norddeutsche Fußball-Verband (Nord), der Nordostdeutsche Fußballverband (Nordost), der Westdeutsche Fußballverband (West), die RLSW Regionalliga Südwest GmbH (Südwest) und der Bayerische Fußball-Verband (Bayern). Jeder verhandelt eigenständig, jeder verteilt nach eigenen Regeln, keiner veröffentlicht Vertragswerte.
Die Saison 2026/27 markiert dennoch eine Zäsur: Erstmals liegen drei der fünf Staffeln exklusiv bei einem einzigen Anbieter.
Die fünf Modelle im Überblick
| Staffel | Ligaträger | Rechtepartner 2026/27 | Vertragsmodell | Verteilung an Klubs |
|---|---|---|---|---|
| Nord | NFV | LEAGUES GmbH (Stuttgart) | Exklusiver Rechteverkauf, alle 306 Spiele | Fester Sockelbetrag + variable Komponente nach Zuschauernachfrage |
| Nordost | NOFV | Kein Exklusivpartner: OstSport.TV, MDR, regionale Medienhäuser | Fragmentiert, spielbezogen | Nicht zentral geregelt |
| West | WDFV | LEAGUES GmbH | Exklusive Produktion & Distribution, alle 306 Spiele | Erlösbeteiligung, nach Fan-Zuordnung differenziert |
| Südwest | RLSW Regionalliga Südwest GmbH | LEAGUES GmbH | Klubs als Anbieter, Plattform als Dienstleister | Großteil der Pay-per-View-Erlöse an die beteiligten Klubs |
| Bayern | BFV | Bayerischer Rundfunk (BR24Sport) | Kooperation, kein klassischer Rechteverkauf | Kein nennenswerter Rechteerlös – Reichweite statt Ausschüttung |
Regionalliga Nord: der Systemwechsel
Die auffälligste Veränderung zur Saison 2026/27 betrifft den Norden. Ende April 2026 verkaufte der NFV die Medienrechte an die LEAGUES GmbH – nach einem mehrwöchigen Angebotsverfahren und mit Zustimmung aller 18 Vereine. Der Partner erhält die exklusive Live-Übertragung sämtlicher 306 Saisonspiele.
Der entscheidende Punkt für die Klubfinanzen: Bislang liefen die Übertragungen kostenlos auf dem verbandseigenen Portal nordfv.tv und wurden über Sponsoringerlöse finanziert. NFV-Präsident Ralph-Uwe Schaffert begründete den Wechsel offen damit, dass sich diese Finanzierung als nicht tragfähig erwiesen habe. Die Übertragungen wandern also hinter eine Paywall – aus einem Kostenblock des Verbandes wird eine Erlösquelle der Vereine.
Die Verteilungssystematik ist die einzige der fünf Staffeln, die explizit zweistufig beschrieben ist:
- Sockelbetrag – ein fester Betrag für jeden der 18 Vereine, unabhängig von Tabellenplatz oder Zuschauerzahl
- Variable Komponente – bemessen an der tatsächlichen Zuschauernachfrage bei den Livestreams
Das entspricht strukturell dem Grundgedanken der DFL-Säule „Interesse“, nur ohne Erhebungsinstitut: Maßstab ist nicht eine Fanpotenzialstudie, sondern die abgerechnete Stream-Nachfrage. Konkrete Beträge hat der NFV nicht genannt.
Regionalliga West: Erlösbeteiligung nach Fan-Zuordnung
Der Westen hat den turbulentesten Rechteverlauf der fünf Staffeln. Der WDFV kündigte den seit 2022/23 laufenden Vertrag mit der Sporttotal AG am 13. Dezember 2024 fristlos und außerordentlich – nach anhaltenden Klubbeschwerden über die Qualität der KI-gesteuerten Kameraführung. Seit dem 20. Januar 2025 produziert und verbreitet LEAGUES alle Spiele der „Herren-Regionalliga West powered by WestLotto“ unter regionalliga-west.tv, mit manuellem Kamera-Setup und Live-Kommentar.
Das Erlösmodell folgt bereits seit der Sporttotal-Ära einem nachfrageorientierten Prinzip: Fans ordnen beim Ticketkauf einen Verein zu, und Klubs mit höherer Stream-Nachfrage erhalten anteilig höhere Ausschüttungen. Highlight-Clips bleiben kostenfrei.
Transparenzhinweis: Die ursprüngliche WDFV-Vereinbarung mit LEAGUES war auf eineinhalb Spielzeiten, also bis Sommer 2026, angelegt. Eine offizielle Verlängerungsmitteilung des WDFV für 2026/27 ist öffentlich nicht dokumentiert; Branchenübersichten führen die Staffel weiterhin exklusiv bei LEAGUES. Wir kennzeichnen diesen Punkt als nicht verbandsseitig bestätigt.
Regionalliga Südwest: die Klubs sind der Anbieter
Die Südwest-Staffel arbeitet am längsten mit LEAGUES zusammen und hat das juristisch eigenwilligste Konstrukt. Nicht die Liga verkauft Rechte an eine Plattform, sondern die Klubs selbst treten als Anbieter auf und tragen die inhaltliche Verantwortung für Redaktion, Kameraführung, Produktionsqualität und Kommentar.
LEAGUES stellt die technische Infrastruktur, wickelt den Ticketverkauf ab und leitet die Erlöse weiter. Vom Pay-per-View-Umsatz werden abgezogen:
- Kosten der Livestream-Produktion
- Lizenzabgabe für die Senderechte an die Liga
- Plattformgebühr für Nutzung und Abwicklung
Der verbleibende Großteil fließt direkt an die beteiligten Klubs. Die Ligaträgerin RLSW Regionalliga Südwest GmbH bestätigt diese Grundlogik auf ihrer Website. Ergänzend hat die Liga 2025 eine Partnerschaft mit der SponsoRights GmbH geschlossen, um die Vermarktungsstrukturen weiterzuentwickeln.
Ökonomisch bedeutet das: Ein Klub mit reichweitenstarker Fanbasis kann in dieser Konstruktion überproportional verdienen – trägt aber auch das Produktionskostenrisiko mit. Eine Solidarkomponente wie den Sockelbetrag im Norden gibt es hier nicht.
Regionalliga Nordost: kein Vertrag, kein Schlüssel
Der NOFV hat als einziger Ligaträger 2026/27 keinen exklusiven Medienpartner. Die Staffel wird über ein Nebeneinander von Anbietern abgebildet:
- OstSport.TV als zentrales Streaming-Portal
- MDR mit ausgewählten Partien im Free-TV und in der Mediathek
- Regionale Medienhäuser mit eigenen Angeboten – die „Freie Presse“ zeigt in Kooperation mit OstSport.TV mindestens 30 Spiele mit Fokus auf Erzgebirge Aue, Chemnitzer FC und FSV Zwickau; die Mediengruppe Mitteldeutschland betreibt ein eigenes Portal mit Schwerpunkt Hallescher FC und 1. FC Magdeburg II
Für die Vereine heißt das: Medienerlöse entstehen bilateral und spielbezogen, nicht über eine Ligaausschüttung. Eine liganweite Verteilungssystematik existiert nicht. Bemerkenswert ist die Gegenüberstellung – ausgerechnet die Staffel mit der größten Traditionsvereinsdichte und den höchsten Zuschauerzahlen ist die am wenigsten zentral vermarktete.
Regionalliga Bayern: Reichweite statt Rechteerlös
Der BFV verfolgt als einziger Träger ein explizit reichweitengetriebenes Modell. Grundlage ist die Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk, die auf dem Verbandstag im Mai 2026 verlängert und im Juli 2026 sogar ausgeweitet wurde.
Umfang 2026/27:
- 38 Livestream-Partien auf BR24Sport, in der BR24-App und in der ARD-Mediathek – je ein Topspiel pro Spieltag, Stammplatz Freitag 19 Uhr
- Erstmals zusätzlich ausgewählte Partien im linearen BR-Fernsehen
- Das Livesignal produziert der BFV selbst und stellt es dem BR zur Verfügung
- Ergänzend „BFV.TV“ mit kommentierten Einzelspielberichten aller Partien, kostenfrei auf Website und YouTube, plus Ausspielung über zwölf bayerische Lokal-TV-Sender
In der Saison 2024/25 erreichte die Regionalliga Bayern allein über die BR-Angebote mehr als 5,2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.
Weil der Verband die Produktion selbst stemmt und der öffentlich-rechtliche Partner keine marktüblichen Rechtegebühren zahlt, entsteht hier kein nennenswerter Ausschüttungstopf. Der Gegenwert liegt in Sichtbarkeit und damit indirekt in der Sponsorenvermarktung der Vereine. Über die Verwendung etwaiger Einnahmen entscheidet laut Regionalligaordnung das BFV-Präsidium.
Die Einordnung: der Abbruch zwischen Liga 3 und Liga 4
Für die Größenordnung lohnt der Blick auf die Nachbarligen (Werte je Saison):
| Spielklasse | Zentrale Medienerlöse p. a. | Verteilung | Pro Klub |
|---|---|---|---|
| Bundesliga / 2. Bundesliga | 1,121 Mrd. € (2025/26–2028/29) | Vier-Säulen-Modell der DFL | 32,8 – 70,6 Mio. € (BL 2025/26) |
| 3. Liga | 26,2 Mio. € (2023/24–2026/27) | Gleichverteilung, 90 % an die Klubs | rd. 1,31 Mio. € |
| Regionalliga | kein zentraler Vertrag | fünf getrennte Modelle | nicht veröffentlicht |
Der Sprung von der 3. Liga in die Regionalliga bedeutet damit nicht eine Kürzung der Medienerlöse, sondern deren faktisches Verschwinden. Das erklärt einen erheblichen Teil der bekannten Abstiegsökonomie der vierten Liga.
Historischer Kontext: Zentral verteilte Regionalliga-TV-Gelder gab es durchaus schon einmal. Für die Saison 2009/10 wurden die Beträge von rund 163.000 Euro auf etwa 90.000 Euro pro Verein gesenkt, flankiert von einer einmaligen zweckgebundenen Sonderzahlung. Seither ist dieser Topf verschwunden.
Warum sich daran vorerst nichts ändert
Eine zentrale Vermarktung setzt einen einheitlichen Ligaträger oder zumindest ein abgestimmtes Ligaformat voraus. Genau daran ist die Struktur zuletzt erneut gescheitert: Ende Juni 2026 lehnten die befragten Klubs beide von der DFB-Arbeitsgruppe vorgelegten Modelle ab – weder das „Regionenmodell“ noch das „Kompassmodell“ fanden in allen Regionalverbänden eine Mehrheit. Der DFB nahm das Votum ausdrücklich mit Bedauern zur Kenntnis und kündigte an, sich künftig aktiv in den Prozess einzubringen.
Solange fünf Träger fünf Ligen verantworten, bleibt es bei fünf Erlösmodellen. Der Trend geht allerdings erkennbar in Richtung Bündelung: Mit Nord, West und Südwest liegen 2026/27 rechnerisch rund 900 Livespiele pro Saison bei einem einzigen Anbieter.
Sportlicher Rahmen 2026/27
Nach der 2019 beschlossenen Aufstiegsregelung stellen West und Südwest je einen festen Direktaufsteiger. Der dritte direkte Platz rotiert – 2026/27 fällt er auf die Regionalliga Nordost. Die Meister aus Nord und Bayern bestreiten die Aufstiegsspiele zur 3. Liga.
FAQ
Wie viel TV-Geld bekommt ein Regionalligist 2026/27? Das lässt sich nicht seriös beziffern. Keiner der fünf Ligaträger veröffentlicht Vertragswerte oder Ausschüttungssummen. Kursierende Beträge sind Schätzungen ohne belastbare Grundlage.
Gibt es in der Regionalliga einen Verteilerschlüssel wie in der Bundesliga? Nein. Es existiert weder ein Säulenmodell noch eine Gleichverteilung über alle fünf Staffeln. Lediglich die Regionalliga Nord hat 2026/27 ein explizites zweistufiges Modell aus Sockelbetrag und nachfrageabhängiger Komponente.
Wer überträgt die Regionalliga 2026/27? Nord, West und Südwest exklusiv bei LEAGUES. Nordost bei OstSport.TV, im MDR und bei regionalen Medienhäusern. Bayern mit einem Topspiel pro Spieltag bei BR24Sport, in der ARD-Mediathek und teils im linearen BR-Fernsehen.
Warum sind die Spiele der Regionalliga Nord jetzt kostenpflichtig? Weil der NFV zur Saison 2026/27 von einer sponsoringfinanzierten Gratisübertragung auf nordfv.tv zu einem Rechteverkauf gewechselt ist. Der Verband begründet das damit, dass die reine Sponsoringfinanzierung nicht tragfähig war. Die Erlöse fließen nun an die Klubs.
Wie hoch ist der finanzielle Unterschied zwischen 3. Liga und Regionalliga? In der 3. Liga werden 26,2 Millionen Euro pro Saison zentral vermarktet, davon 90 Prozent gleichverteilt an die Klubs – zuletzt rund 1,31 Millionen Euro je Verein. In der Regionalliga gibt es keinen vergleichbaren Topf.
Kommt eine zentrale Vermarktung der Regionalliga? Kurzfristig nicht. Die Klubs lehnten Ende Juni 2026 beide vorgelegten Strukturmodelle ab. Ohne einheitlichen Ligaträger fehlt die Voraussetzung für eine Zentralvermarktung.