Kann Crowdfunding ein Vehikle zur Finanzierung eines Stadionnames sein?

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Am Freitag startete ein ungewöhnliches Crowdfunding auf Startnext. Das Ziel der Schwarmfinanzierung ist das Aufbringen von 800.000 Euro. Diese Summe entspricht dem Vernehmen nach rund einem Viertel der benötigten Summe, um die Namensrecht für das Nürnberger Stadion für drei Jahre zu erwerben. Die Restsumme wird von der Consorsbank aufgebracht werden, so das Fundingziel erreicht wird.

Das Crowdfunding ist daher aus zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Einerseits dürfte es das erste Beispiel sein, dass das Finanzierungsinstrument zur Finanzierung von Stadionnamensrechten zum Einsatz kommt. Andererseits wird der Hauptsponsor – die Consorsbank – weitgehend auf seine Rechte verzichten, damit die Fußballarena den Namen “Max-Morlock-Stadion” tragen kann. Hinter der Aktion stehen Stadion Nürnberg Betriebs-GmbH und die Consorsbank.
Das Ziel ist sehr ehrgeizig. Das bisher größte erfolgreiche Projekt auf startnext hatte ein Volumen von 537.000 Euro.
Beispiele von Crowdfundings im Fußball
2007 kaufte eine britische Firma mit Hilfe der von ihr initiierten Community “myfootballclub.co.uk” und über 50.000 Usern aus aller Welt den unterklassigen Verein Ebbsfleet United
2013 wurden auf Startnext 217.892 € zur Realisierung des Films “Am Borsing-Platz geboren” bei Borussia Dortmund-Fans eingesammelt.
2014 sammelte der spanische Erstligist SD Eibar durch die Ausgabe von Aktien an die Fans 1,98 Millionen Euro Eigenkapital ein. Dieses wurde als Kapitalnachweis für den Ligaverbleib benötigt.
2015 akquirierte der VFL Osnabrück bei 1384 Fans 518.000 Euro im Rahmen eines Nachrangdarlehens zur Sicherung der Drittliga-Lizenz
2015 launchte Kickrs.net eine Crowdfunding-Plattform zur Finanzierung von Fußball-Investments, anfänglich vor allem gedacht für Transferrechte und Nachwuchsförderung
2016 holte sich Hertha BSC Berlin auf Kapilendo eine Millionen Euro via Crowdlending zur Finanzierung der Digitalstrategie des Vereins (und sicherlich auch aus Marketinggründen)
2016 wird mit Hilfe eines Crowdfundings der Erhalt der Südtribüne des FC Carl Zeiss Jena realisiert
20016 zeichnen Fans drei Millionen Euro für ein neunjähriges Darlehn des SK Rapid Wien über die östereichsiche Crowdfunding-Plattform conda.at
Auch im Fußball hat das Thema Crowdfunding in all seinen Ausprägungen (Lending-, Investment- bzw. Spenden oder Prämien-orientiert) also vielfältige Anwendungsbereiche gefunden.
Ob der Ansatz auch zur Finanzierung der Namensrechte von Stadien erfolgreich sein kann, wird das Nürnberger Beispiel spätestens Mitte Mai zeigen. 800.000 Euro sind auf jeden Fall eine große Summe, die von den Fans aufgebracht werden muss. Dies gilt umso mehr, als dass die Namensrechte zunächst nur für drei Jahre vergeben werden und noch nicht final geklärt zu sein scheint, was genau danach passiert. Am Morgen des zweiten Tages der Aktion sind bereits über 26.000 Euro von den Fans zugesagt worden (das Geld für Prämien wie Fanschals etc. wird erst fällig, wenn das Fundingziel erreicht ist).

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