TV-Gelder Eliteserien Norwegen: So verteilt die Liga ihre Medienerlöse

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Wer zeigt die Eliteserien – und was ist sie wert?

Seit 2023 hält der kommerzielle Sender TV2 die nationalen Medienrechte an der Eliteserien. Der laufende Vertrag wurde von der Norwegischen Fußballföderation (NFF) über die Vermarktungsagentur Fotball Media eingefädelt, läuft von 2023 bis 2028 und hat nach norwegischen Medienangaben ein Gesamtvolumen von rund NOK 4,5 Milliarden (ca. EUR 414 Mio.) – im Schnitt also etwa NOK 750 Millionen (ca. EUR 69 Mio.) pro Saison. Das Paket deckt neben der Eliteserien auch die OBOS-ligaen (2. Liga), die 3. und 4. Liga sowie die Toppserien der Frauen ab.

Zur Einordnung: Für den nächsten Zyklus ab 2029 wurde bereits ein neuer Rekordvertrag unterschrieben. TV2 bleibt Hauptpartner für die Eliteserien, Amedia übernimmt die OBOS-ligaen, Schibsted sichert sich die Nationalmannschaftsrechte – zusammen zahlen die drei Sender künftig rund NOK 820 Millionen (ca. EUR 75,4 Mio.) pro Jahr. Für die hier relevanten Spielzeiten 2026 und 2027 gilt aber noch der alte, günstigere Vertrag.

Alle EUR-Werte in diesem Artikel sind Näherungswerte auf Basis eines Wechselkurses von 1 NOK ≈ EUR 0,092 (Stand: Ende August 2026) und dienen ausschließlich der Einordnung – vor Veröffentlichung gegen einen aktuellen Kurs validieren.

Das Verteilmodell: vier Töpfe, 32 Klubs

Norwegen verteilt seine TV-Gelder nicht nur innerhalb der Eliteserien, sondern über beide oberen Ligen hinweg – 16 Erstligisten und 16 Zweitligisten teilen sich gemeinsam den Kuchen. Die Klubs erhalten insgesamt 88 % der Medienrechte-Einnahmen aus Eliteserien und OBOS-ligaen; der Rest verbleibt gemäß der sogenannten Samarbeidsavtale (Kooperationsvereinbarung) bei NFF und Norsk Toppfotball (NTF), dem Interessenverband der Profiklubs. Von den verbleibenden Mitteln (außerhalb der ligaunabhängigen Akademieförderung) gehen 81 % an die Eliteserien und 19 % an die OBOS-ligaen.

Seit der Reform von 2023 wird das Geld über vier separate Töpfe verteilt:

1. Historischer Topf (NOK 150 Mio. / ca. EUR 13,8 Mio.) Neu eingeführt 2023, um sportlichen Erfolg über mehrere Jahre zu honorieren. Grundlage sind die Tabellenplatzierungen der vergangenen sechs Saisons; alle 32 Klubs werden gemeinsam von 1 bis 32 gerankt. Klubs, die im Schnitt in der Eliteserien rangierten, teilen 81 % des Topfs (NOK 121 Mio. / ca. EUR 11,1 Mio.), Klubs mit Schnitt in der OBOS-ligaen 19 % (NOK 29 Mio. / ca. EUR 2,7 Mio.). Die jüngeren Saisons zählen dabei stärker als die älteren. Eine theoretische Konstante: Ein Klub müsste sechs Jahre in Folge Meister werden, um exakt 16,7 % des Topfs zu erhalten – jede schwächere Bilanz drückt den Anteil darunter.

2. Resultat-Topf Hier teilen sich ausschließlich die 16 Eliteserien-Klubs 81 % der Gesamtsumme des Topfs. Die Aufteilung folgt einem festen Schlüssel: 60 % werden zu gleichen Teilen an alle 16 Klubs ausgezahlt (Solidaritätskomponente), 40 % nach der aktuellen Tabellenplatzierung der laufenden Saison gestaffelt.

3. Akademieklassifizierung (bis NOK 90 Mio. / ca. EUR 8,3 Mio.) Diese Mittel sind ligaunabhängig – ein Zweitligist mit starker Nachwuchsarbeit kann hier genauso viel oder mehr erhalten wie ein Erstligist. Die Auszahlung richtet sich nach dem Sternesystem der Akademieklassifizierung:

  • 5 Sterne: NOK 4,2 Mio. (ca. EUR 0,39 Mio.) + NOK 0,6 Mio. (ca. EUR 0,06 Mio.) Trainerentwicklung = NOK 4,8 Mio. (ca. EUR 0,44 Mio.)
  • 4 Sterne: NOK 3,5 Mio. (ca. EUR 0,32 Mio.) + NOK 0,6 Mio. = NOK 4,1 Mio. (ca. EUR 0,38 Mio.)
  • 3 Sterne: NOK 2,8 Mio. (ca. EUR 0,26 Mio.) + NOK 0,6 Mio. = NOK 3,4 Mio. (ca. EUR 0,31 Mio.)
  • 2 Sterne: NOK 1,4 Mio. (ca. EUR 0,13 Mio., keine Trainerentwicklungsmittel)
  • 1 Stern: NOK 0,7 Mio. (ca. EUR 0,06 Mio.)

Klubs außerhalb der Klassifizierung können seit 2023 aus einem separaten, bis zu NOK 2 Mio. (ca. EUR 0,18 Mio.) großen Topf NOK 150.000 (ca. EUR 13.800) oder NOK 350.000 (ca. EUR 32.200) erhalten, abhängig vom Einsatz junger Spieler (unabhängig davon, ob diese aus der eigenen Jugend stammen).

4. Kommerzieller Topf (NOK 30 Mio. / ca. EUR 2,8 Mio., nur Eliteserien) Soll die Klubs belohnen, die aus Sicht des Rechteinhabers am kommerziell attraktivsten sind – etwa durch Zuschauerinteresse oder mediale Reichweite. Wichtig für die Einordnung: Die konkreten Zuteilungskriterien waren laut Eliteserien selbst zum Zeitpunkt der Modelleinführung noch nicht final ausgearbeitet.

Einordnung im europäischen Vergleich

Norwegens Modell kombiniert damit gleich drei Prinzipien, die europäische Ligen sonst oft getrennt anwenden: eine reine Gleichverteilungskomponente (Resultat-Topf, 60 %-Anteil), eine leistungsbezogene Komponente über die laufende Saison sowie – als norwegische Besonderheit – eine mehrjährige „Historisch“-Komponente, die Konstanz über sechs Spielzeiten belohnt. Zum Vergleich: Das deutsche Vier-Säulen-Modell der DFL verteilt die nationalen Medienerlöse ebenfalls über eine Kombination aus laufender Tabellenplatzierung, mehrjähriger Bestandsliste und weiteren Kriterien wie Nachwuchsleistung und Zuschauerzahlen – strukturell also ein ähnlicher Grundgedanke, allerdings mit anderen Gewichtungen und einem deutlich größeren Gesamtvolumen. Eine detaillierte Gegenüberstellung der Verteilschlüssel findet sich im verlinkten Bundesliga-Artikel.

Was das für die Klubs der Eliteserien bedeutet

Konkrete Auszahlungsbeträge pro Klub für die Saison 2026 lagen zum Zeitpunkt der Recherche nicht in einer offiziell bestätigten, aktuellen Aufstellung vor; ältere, öffentlich kursierende Einzelbeträge (etwa aus Presseberichten vor 2023) beziehen sich auf das alte Verteilmodell und sind nicht mehr repräsentativ. Sobald NTF oder Eliteserien selbst aktuelle Auszahlungssummen veröffentlichen (etwa im jährlichen „Toppfotballbarometeret“ von Deloitte/NTF/TFK), sollte dieser Artikel um eine Tabelle mit Klub-Einzelwerten ergänzt werden.


Methodik & Transparenz

Verifizierte Fakten (Primärquelle eliteserien.no, „Fordelingsmodellen fra 2023“):

  • Struktur der vier Verteiltöpfe inkl. absoluter NOK-Beträge (150/90/30 Mio.) und Prozentschlüssel
  • 88-%-Klubanteil an Medienrechten sowie 81/19-Split Eliteserien/OBOS-ligaen
  • Sternesystem-Beträge der Akademieklassifizierung

Verifiziert über Branchenmedien (Sportcal, SportBusiness, Telecompaper, Inside World Football, Sporticos):

  • TV2-Rechtevertrag 2023–2028 (⌀ NOK 750 Mio./Saison, Gesamtvolumen NOK 4,5 Mrd.)
  • Anschlussvertrag 2029–2034 (NOK 820 Mio./Jahr, TV2/Amedia/Schibsted)

EUR-Umrechnung: Alle EUR-Werte basieren auf dem Kassakurs 1 NOK ≈ EUR 0,092 (Quelle: Wechselkurs-Aggregatoren, Stand Ende August 2026) und sind explizit als Näherungswerte gekennzeichnet, nicht als offiziell umgerechnete Beträge. Vor Veröffentlichung gegen einen tagesaktuellen Kurs (z. B. Norges Bank) validieren.

Nicht verifiziert / bewusst ausgelassen:

  • Konkrete Auszahlungsbeträge pro Einzelklub für 2026 – hierzu lag keine aktuelle, belastbare Quelle vor. Ein 2015 kursierender Einzelwert (Tabellenletzter vs. Meister) wurde bewusst nicht übernommen, da er sich auf ein inzwischen abgelöstes Verteilmodell bezieht.
  • Endgültige Kriterien des Kommerziellen Topfs – laut Eliteserien selbst zum Stand der Modellveröffentlichung noch nicht abschließend definiert.

FAQ 

Wer besitzt die TV-Rechte an der Eliteserien? Seit 2023 hält der norwegische Sender TV2 die nationalen Medienrechte an der Eliteserien im Rahmen eines Vertrags, der bis 2028 läuft.

Wie viel ist der TV-Vertrag der Eliteserien wert? Der laufende Vertrag (2023–2028) hat ein Gesamtvolumen von rund NOK 4,5 Milliarden, im Schnitt etwa NOK 750 Millionen pro Saison.

Wie werden die TV-Gelder unter den Klubs verteilt? Über vier Töpfe: einen historischen Topf (Tabellenplatzierung der letzten sechs Saisons), einen Resultat-Topf (60 % Gleichverteilung, 40 % aktuelle Tabellenplatzierung), Akademieförderung nach Sternesystem sowie einen kommerziellen Topf für die Eliteserien.

Erhalten auch Zweitligisten TV-Gelder? Ja. Die OBOS-ligaen (2. Liga) erhält 19 % der nicht ligaunabhängigen Mittel sowie einen eigenen Anteil im historischen Topf.

Ändert sich das Verteilmodell für die Saison 2027? Nein, das Modell und der zugrunde liegende TV-Vertrag gelten unverändert bis 2028. Ein neuer, deutlich höher dotierter Vertrag (NOK 820 Mio./Jahr) greift erst ab 2029.

Vielen Dank für dein Interesse!

Gründer von Fussball-Geld.de. Studierter Jurist und Master im Sportmanagement. Interesse für Zahlen, Übersichten, Recht und wirtschaftliche Hintergründe im Fußball.

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