Was verdienen Schiedsrichter?

Stand: August 2026 · Alle Beträge in Euro, sofern nicht anders angegeben · Angaben zu Honoraren beruhen auf Verbandsveröffentlichungen und Medienberichten

Wenn über Geld im Fußball gesprochen wird, geht es fast immer um Spielergehälter, Ablösesummen und Medienerlöse. Die Menschen, ohne die kein einziges dieser Spiele stattfinden könnte, tauchen in dieser Rechnung selten auf. Dabei ist die Vergütung von Schiedsrichtern ein aufschlussreicher Gradmesser dafür, wie professionell eine Liga wirklich organisiert ist – und wie groß der Abstand zwischen Profibetrieb und Amateurfußball inzwischen geworden ist.

Diese Seite beantwortet die Frage „Was verdienen Schiedsrichter?“ für alle relevanten Ebenen: Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, Frauen-Bundesliga, Amateurligen, DFB-Pokal, UEFA-Wettbewerbe und Weltmeisterschaft. Dazu kommen der internationale Ligavergleich, die steuerliche Behandlung und eine Einordnung, was diese Beträge im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Profifußballs bedeuten.

Die Kurzantwort: Ein Bundesliga-Schiedsrichter erhält ein jährliches Grundhonorar zwischen rund 68.000 und 88.000 Euro – gestaffelt nach Erfahrung und internationalem Status – plus rund 6.000 Euro pro geleitetem Bundesligaspiel. Mit Einsätzen als Videoassistent, Vierter Offizieller, im DFB-Pokal und international kommen Spitzenverdiener auf über 200.000 Euro im Jahr.

In der Kreisliga liegt die Aufwandsentschädigung dagegen bei etwa 25 bis 50 Euro pro Spiel zuzüglich Fahrtkosten. Dieselbe Tätigkeit, dasselbe Regelwerk – ein Faktor von rund 150.

1. Wie Schiedsrichter in Deutschland bezahlt werden

Die wichtigste Vorbemerkung: Kein deutscher Schiedsrichter ist beim DFB angestellt. Es gibt keinen Arbeitsvertrag, kein Gehalt im arbeitsrechtlichen Sinn und keine Sozialversicherung über den Verband. Schiedsrichter sind selbstständig tätig und müssen sich um Krankenversicherung, Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsabsicherung eigenständig kümmern – oder über einen zweiten Beruf.

Das erklärt, warum in der öffentlichen Debatte oft von „Gehalt“ die Rede ist, die DFB-Regelwerke aber konsequent von Honoraren und Aufwandsentschädigungen sprechen. Die Vergütung im deutschen Profifußball setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen:

Jahresgrundhonorar: Ein fester Betrag, der unabhängig von der Zahl der Einsätze gezahlt wird – üblicherweise in zwei Tranchen. Er existiert erst seit 2012 und wurde eingeführt, weil der Aufwand für Training, Lehrgänge, Videostudium und Fitnesstests deutlich gestiegen war.

Einsatzhonorar pro Spiel: Gestaffelt nach Liga und nach der Rolle im Schiedsrichterteam: Hauptschiedsrichter, Assistent, Vierter Offizieller, Videoassistent (VAR) oder dessen Assistent (AVAR).

Ein Bundesliga-Schiedsrichter verdient also nicht jeden Monat denselben Betrag. Das Jahreseinkommen hängt stark davon ab, wie häufig und in welcher Funktion er angesetzt wird. Die Ansetzungen erfolgen leistungsabhängig – wer schwach bewertet wird, verliert Einsätze und damit unmittelbar Einkommen.

Wichtig für die Einordnung: In den Einsatzhonoraren des Profibereichs sind Spesen und Anfahrtskosten in der Regel bereits enthalten. Im Amateurbereich werden Fahrtkosten dagegen separat abgerechnet. Bruttobeträge und Nettobeträge lassen sich deshalb nicht eins zu eins vergleichen.
 

2. Bundesliga: Grundhonorare und Einsatzhonorare

 

Das jährliche Grundhonorar

Der DFB staffelt das Grundhonorar nach zwei Kriterien: der Erfahrung in der Bundesliga und dem internationalen Status. Nach den für die Saison 2024/25 berichteten Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Jahresgrundhonorar Bundesliga-Schiedsrichter (berichtete Werte, Saison 2024/25)
KategorieGrundhonorar p. a.
Bundesliga-Schiedsrichter (Einstieg)68.000 €
Mehr als fünf Jahre Bundesliga-Erfahrung78.000 €
FIFA-Schiedsrichter der Kategorien Elite und First Class88.000 €

Die Spreizung von 20.000 Euro zwischen unterster und oberster Stufe ist bewusst gesetzt: Sie soll den Aufstieg innerhalb des Kaders attraktiv machen und den erheblichen Mehraufwand internationaler Einsätze abbilden – Anreisen, Lehrgänge, zusätzliche Fitnesstests und Sprachanforderungen.

Einsatzhonorare pro Spiel

Zum Grundhonorar kommt für jeden Einsatz ein festes Honorar. Die Höhe hängt von der Rolle ab:

Einsatzhonorare Bundesliga nach Rolle (berichtete Werte, Saison 2024/25)
RolleHonorar pro Einsatz
Hauptschiedsrichter6.000 €
Videoassistent (VAR)2.300 €
Vierter Offizieller1.500 €
VAR-Assistent (AVAR)1.150 €

Bemerkenswert ist die Position des Videoassistenten. Der VAR sitzt im Kölner Videocenter, absolviert keine Anreise ins Stadion und kann an einem Spieltag mehrere Partien betreuen. Für Schiedsrichter, die in einer Saison nur begrenzt als Hauptschiedsrichter angesetzt werden, ist der VAR-Einsatz damit zu einer verlässlichen Einkommenssäule geworden – und zu einem strukturellen Element der Vergütung, das es vor 2017 schlicht nicht gab.

Für Schiedsrichterassistenten in der Bundesliga werden ein Grundhonorar in der Größenordnung von rund 44.000 Euro und Einsatzhonorare um 2.500 Euro berichtet. Diese Werte sind allerdings deutlich schlechter belegt als die Zahlen für Hauptschiedsrichter und sollten mit Vorsicht behandelt werden.

Zur Datenlage: Der DFB veröffentlicht keine vollständige Honorartabelle. Die hier genannten Beträge stammen aus der Berichterstattung des kicker. Andere Quellen nennen für zurückliegende Spielzeiten abweichende Werte – etwa 62.000 / 72.000 / 82.000 Euro Grundhonorar bei 5.600 Euro pro Einsatz. Solche Abweichungen erklären sich überwiegend durch unterschiedliche Bezugssaisons. Wer mit den Zahlen weiterarbeitet, sollte die Saison immer mitangeben.

 

Mindesteinsätze

Ein Bundesliga-Schiedsrichter soll pro Saison mindestens 15 Spiele leiten. Die tatsächliche Zahl liegt bei den Stammkräften des Kaders eher zwischen 15 und 20 Partien. Nach oben begrenzt wird das Pensum durch die Belastungssteuerung und die Verteilung auf einen Kader von rund zwei Dutzend Schiedsrichtern für 306 Bundesligaspiele.

3. 2. Bundesliga und 3. Liga

In der 2. Bundesliga entfällt die Kategorisierung nach Erfahrung und internationalem Status weitgehend – die Honorarstruktur ist einfacher und liegt in der Größenordnung der Hälfte der Bundesliga-Sätze.

Einsatzhonorare 2. Bundesliga nach Rolle (berichtete Werte, Saison 2024/25)
RolleHonorar pro Einsatz
Hauptschiedsrichter3.000 €
Videoassistent (VAR)1.150 €
Vierter Offizieller750 €
VAR-Assistent (AVAR)575 €

Für das Jahresgrundhonorar der 2. Bundesliga werden Werte zwischen 40.000 und 41.000 Euro berichtet. Auch hier gilt: Der Wert stammt aus Medienberichten, nicht aus einer offiziellen Veröffentlichung.

In der 3. Liga bricht das System dann deutlich ein. Ein Jahresgrundhonorar existiert nach übereinstimmenden Darstellungen nicht mehr; berichtet wird ein Einsatzhonorar in der Größenordnung von 750 Euro pro Spiel. Damit liegt der wirtschaftliche Bruch nicht zwischen Profi- und Amateurfußball, sondern innerhalb des Profibereichs: zwischen der von der DFL organisierten zweiten Liga und der vom DFB organisierten dritten.

4. Modellrechnung: Was bleibt in einer Saison?

Zahlen pro Spiel sind wenig anschaulich. Interessanter ist, was am Ende einer Spielzeit zusammenkommt. Drei Modellfälle auf Basis der berichteten Sätze:

Modellrechnung Bruttojahreseinnahmen (nationale Einsätze, ohne DFB-Pokal und ohne internationale Ansetzungen)
PositionEinsteigerEtabliertFIFA-Elite
Grundhonorar68.000 €78.000 €88.000 €
Bundesligaspiele als Hauptschiedsrichter12 × 6.000 €
= 72.000 €
17 × 6.000 €
= 102.000 €
18 × 6.000 €
= 108.000 €
VAR-Einsätze8 × 2.300 €
= 18.400 €
10 × 2.300 €
= 23.000 €
8 × 2.300 €
= 18.400 €
Vierter Offizieller4 × 1.500 €
= 6.000 €
2 × 1.500 €
= 3.000 €
Summe (Modell)≈ 164.400 €≈ 206.000 €≈ 214.400 €

Eigene Modellrechnung auf Basis der berichteten Honorarsätze. Die Einsatzzahlen sind plausible Annahmen, keine realen Werte einzelner Schiedsrichter.

Diese Größenordnung deckt sich mit den veröffentlichten Auswertungen: Nach einer kicker-Analyse kam der bestverdienende deutsche Schiedsrichter allein mit nationalen Einsätzen auf rund 222.200 Euro in einer Spielzeit; insgesamt überschritten 13 Schiedsrichter die Marke von 200.000 Euro.

Für die zehn deutschen Schiedsrichter auf der FIFA-Liste kommen internationale Einsätze hinzu (siehe Abschnitt 7 und 8). In einem Turnierjahr mit EM- oder WM-Nominierung kann das Jahreseinkommen dadurch deutlich über 300.000 Euro steigen.

Was in dieser Rechnung fehlt: Es handelt sich um Bruttoeinnahmen aus selbstständiger Tätigkeit. Davon abzuziehen sind Einkommensteuer, gegebenenfalls Gewerbesteuer, die vollständige Krankenversicherung, Altersvorsorge sowie Betriebsausgaben. Der Vergleich mit einem Angestelltengehalt derselben Höhe ist deshalb irreführend.
 

5. Frauen-Bundesliga

Zur Saison 2025/26 hat das DFB-Präsidium die Honorare im Frauenbereich angehoben. Anders als bei den Männern handelt es sich dabei um offiziell veröffentlichte Beträge – die Datenlage ist hier also besser.

Schiedsrichterhonorare im Frauenfußball ab Saison 2025/26 (offizielle DFB-Angaben)
Wettbewerb / Rollebis 2024/25ab 2025/26
Frauen-Bundesliga – Schiedsrichterin700 €1.000 €
Frauen-Bundesliga – Assistent*in350 €500 €
2. Frauen-Bundesliga – Schiedsrichterin250 €350 €
2. Frauen-Bundesliga – Assistent*in125 €175 €
2. Frauen-Bundesliga – Vierte Offizielle125 €175 €

Die Sätze gelten ebenfalls für den Supercup der Frauen sowie für DFB-Pokalpartien ab bestimmten Runden beziehungsweise bei Beteiligung von Bundesligaklubs.

Die Erhöhung um rund 43 Prozent ist beachtlich – der Abstand zum Männerbereich bleibt dennoch groß: 1.000 Euro gegenüber 6.000 Euro pro Spiel, also ein Verhältnis von 1 zu 6. Ein jährliches Grundhonorar wie bei den Männern nennt der DFB für die Frauen-Bundesliga nicht.

Ökonomisch ist der Abstand nicht überraschend: Die Honorare folgen im Wesentlichen den Erlösen des jeweiligen Wettbewerbs. Solange die Medienerlöse der Frauen-Bundesliga einen Bruchteil der Bundesliga-Erlöse ausmachen, wäre eine Angleichung der Schiedsrichterhonorare eine politische, keine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie schlicht als Ausdruck der jeweiligen Anforderungen auf dem Platz zu lesen, geht allerdings ebenso an der Sache vorbei – die Aufgabe ist dieselbe.

6. Amateurfußball: Regionalliga bis Kreisklasse

Unterhalb der 3. Liga endet die Zuständigkeit des DFB. Die Honorare – hier korrekt als Aufwandsentschädigungen oder Spesen bezeichnet – legen die 21 Landesverbände jeweils eigenständig fest. Die Unterschiede zwischen den Verbänden sind erheblich.

Beispiel Bayerischer Fußball-Verband (Saison 2025/26)

Aufwandsentschädigungen Herren, BFV, Stand 01.07.2025
SpielklasseSchiedsrichterAssistent
Regionalliga Bayern260 €156 €
Bayernliga98 €62 €
Landesliga72 €46 €
Bezirksliga62 €36 €
Kreisliga52 €26 €
Kreisklasse / A-Klasse46 €
B- und C-Klasse41 €
Sonstige Herrenmannschaften31 €

Hinzu kommen Fahrtkosten von 0,30 Euro pro Kilometer, für den Schiedsrichter mit Team 0,35 Euro. Für die einfache Fahrtstrecke gelten je nach Spielklasse Obergrenzen – in der Kreisliga etwa 100 Kilometer für den Schiedsrichter und 20 Kilometer für Assistenten.

Bandbreite über alle Landesverbände

Ein Vergleich der Honorarordnungen 2025/26 zeigt die Spannweite:

Bandbreite der Schiedsrichterhonorare im Amateurbereich, Herren, Saison 2025/26
SpielklassenebeneTypische Spanne
Verbands- / Landesliga60 – 100 €
Bezirksliga35 – 70 €
Kreisliga25 – 50 €

Zwei weitere Beispiele verdeutlichen, wie stark die Sätze regional streuen: Im Kreis Paderborn (FLVW) liegt die Landesliga bei 45 Euro und die Kreisliga bei 27 Euro, im Kreis Stade (NFV) die Oberliga bei 50 Euro, die Landesliga bei 33 Euro und die Kreisliga bei 28 Euro. Wer die bayerischen Sätze als Maßstab nimmt, überschätzt die Vergütung in weiten Teilen der Republik deutlich.

Zur Größenordnung: Bei rund 50.000 aktiven Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern in Deutschland pfeift die überwiegende Mehrheit in diesen Klassen. Für praktisch alle von ihnen ist die Tätigkeit kein Nebenerwerb, sondern ein Hobby mit Kostenerstattung – bei einem Zeitaufwand, der Anfahrt, Spielbericht, Lehrabende und Regeltests einschließt und pro Wochenende schnell fünf bis sechs Stunden erreicht.

Wer zahlt eigentlich?

Im Amateurbereich zahlt in aller Regel der Heimverein die Aufwandsentschädigung direkt nach dem Spiel in bar. Im Profibereich werden die Kosten des Schiedsrichterwesens über die Verbands- beziehungsweise Ligastrukturen getragen und letztlich von den 36 Lizenzvereinen finanziert.

7. UEFA: Champions League, Europa League, Europameisterschaft

Die UEFA verfährt anders als der DFB: Ein jährliches Grundhonorar gibt es nicht. Bezahlt wird ausschließlich pro Einsatz, gestaffelt nach Leistungskategorie des Schiedsrichters und nach Wettbewerbsrunde.

UEFA-Klubwettbewerbe, oberste Schiedsrichterkategorie (Elite) – berichtete Werte
WettbewerbsphaseHonorar pro Einsatz
Ligaphase, Play-offs, Achtelfinale4.800 €
Ab Viertelfinale5.800 €
Tagespauschale (An- bis Abreise)200 € / Tag

Die Tagespauschale summiert sich in der Praxis auf 400 bis 600 Euro pro Einsatz, da Schiedsrichterteams typischerweise am Vortag anreisen und am Tag nach dem Spiel zurückkehren. Für einen deutschen Elite-Schiedsrichter mit fünf bis acht internationalen Ansetzungen pro Saison ergibt sich daraus ein zusätzlicher fünfstelliger Betrag.

Neuere Berichte nennen für Champions-League-Einsätze auch Werte um 7.000 Euro. Ob es sich dabei um eine tatsächliche Anhebung oder um eine andere Abgrenzung – etwa inklusive Tagespauschalen – handelt, ist öffentlich nicht sauber belegt. Wir führen beide Größenordnungen auf und weisen sie als unsicher aus.

Europameisterschaft

Bei Turnieren wechselt die UEFA in ein Modell aus Antrittsprämie plus Spielhonorar. Für die EURO 2024 wurde eine Antrittsprämie von rund 67.000 Euro berichtet, dazu Spielhonorare in der Größenordnung von 5.000 Euro in der Gruppenphase und 10.000 Euro in der K.-o.-Runde. Ein Schiedsrichter, der ein Turnier bis ins Halbfinale begleitet, kommt damit auf einen Betrag, der dem Jahresgrundhonorar eines Bundesliga-Schiedsrichters entspricht.

8. FIFA: Weltmeisterschaft 2026

Die FIFA veröffentlicht keine offizielle Honorartabelle. Die belastbarsten Angaben stammen aus der Berichterstattung rund um die Turniere.

Für die WM 2022 in Katar wurden für Hauptschiedsrichter eine Grundprämie von 70.000 US-Dollar für die Turnierteilnahme sowie rund 3.000 US-Dollar pro Spiel berichtet; Assistenten erhielten demnach 25.000 US-Dollar Grundprämie und rund 2.000 US-Dollar pro Einsatz.

Für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko blieb die Grundprämie auf dem Papier ähnlich, die Sätze für K.-o.-Spiele stiegen jedoch deutlich:

WM 2026 – berichtete Vergütungsstruktur für Hauptschiedsrichter (Angaben in US-Dollar)
BestandteilBetrag
Grundprämie für die Turnierteilnahme70.000 $
pro Gruppenspiel3.000 $
pro K.-o.-Spiel10.000 $
Gesamtpotenzial bei langem Turnierverlauf> 100.000 $

Der Anstieg hängt unmittelbar mit der Aufstockung auf 48 Mannschaften und 104 Spiele zusammen – ein größerer Turniertopf verteilt sich auch auf die Spieloffiziellen. Für das Turnier nominierte die FIFA im April 2026 insgesamt 52 Schiedsrichter, 88 Assistenten und 30 Videoassistenten. Aus Deutschland war Felix Zwayer mit den Assistenten Robert Kempter und Christian Dietz vertreten.

Damit gilt: Ein Schiedsrichter kann bei einer Weltmeisterschaft in gut einem Monat einen Betrag verdienen, für den ein Premier-League-Referee ein halbes Jahr arbeitet. Innerhalb der Schiedsrichterlaufbahn ist die WM-Nominierung die mit Abstand größte einzelne Einkommensquelle.

9. Ligavergleich: England, Spanien, Italien

Deutsche Schiedsrichter stehen im europäischen Vergleich gut da – was viele überrascht, weil die Bundesliga bei Spielergehältern deutlich hinter der Premier League liegt.

Internationaler Vergleich – berichtete Werte, teils aus älteren Erhebungen
LigaGrundhonorar p. a.pro Spiel
Bundesliga68.000 – 88.000 €≈ 6.000 €
Premier League≈ 73.900 €≈ 1.705 €
Serie A (Elite)80.000 €≈ 3.800 €
Serie A (ab 25 Einsätzen)40.000 €≈ 3.800 €
La Liganicht veröffentlicht≈ 3.631 €

Der auffälligste Kontrast betrifft England. Die Premier-League-Schiedsrichter sind über die PGMOL fest angestellt – sie haben also ein echtes Arbeitsverhältnis mit Sozialversicherung und Absicherung, dafür aber ein deutlich niedrigeres Einsatzhonorar. Der Vergleich der reinen Bruttobeträge unterschätzt die englische Regelung deshalb systematisch. Wer beide Modelle gegeneinanderstellen will, muss den Wert der Absicherung mitrechnen.

Die Zahlen für Spanien und Italien beruhen zudem auf älteren Erhebungen und sollten eher als Größenordnung denn als aktueller Stand gelesen werden.

10. Steuern und Sozialversicherung

Für die tatsächliche Nettobelastung ist die steuerliche Einordnung entscheidend – und die ist beim Schiedsrichterwesen ungewöhnlich klar geregelt.

Profibereich: gewerbliche Einkünfte

Mit Urteil vom 20. Dezember 2017 (Az. I R 98/15) hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Fußballschiedsrichter grundsätzlich eine selbstständige, gewerbliche und damit gewerbesteuerpflichtige Tätigkeit ausüben. Die Finanzverwaltung war zuvor davon ausgegangen, dass dies nur für international tätige Schiedsrichter gilt. Der BFH begründete das Unternehmerrisiko unter anderem damit, dass Schiedsrichter nur für tatsächliche Einsätze bezahlt werden, und stellte für die Unternehmerinitiative auf die Weisungsfreiheit während der Spielleitung ab.

Praktisch bedeutsam ist ein zweiter Punkt des Urteils: Der Schiedsrichter begründet durch die Spielleitung keine Betriebsstätte im Ausland. Sein Betrieb wird von der Geschäftsleitungsbetriebsstätte aus geführt – in der Regel der eigenen Wohnung. Damit unterliegen sämtliche Einkünfte deutscher Schiedsrichter, auch die aus UEFA- und FIFA-Einsätzen, der deutschen Besteuerung. Die Gewerbesteuer wird nach § 35 EStG pauschal auf die Einkommensteuer angerechnet, sodass die effektive Zusatzbelastung je nach kommunalem Hebesatz begrenzt bleibt.

Amateurbereich: Freibeträge und Streitfragen

Im Amateurbereich sind die Beträge so klein, dass sie meist unter einen Freibetrag fallen. Welcher das ist, wird allerdings uneinheitlich gehandhabt:

Übungsleiterpauschale (§ 3 Nr. 26 EStG): ab 2026 bis zu 3.300 Euro jährlich steuer- und sozialversicherungsfrei (zuvor 3.000 Euro). Ob Schiedsrichter darunterfallen, ist strittig – die Vorschrift zielt auf ausbildende, betreuende und pflegerische Tätigkeiten ab, und einige Landesverbände weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie nicht anwendbar sei.

Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26a EStG): 840 Euro jährlich – in der Praxis die häufiger genutzte Variante.

Sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG): Nach der Auffassung mehrerer Landesverbände sind Aufwandsentschädigungen rein national eingesetzter Schiedsrichter hier zu erfassen, mit einer Freigrenze von 256 Euro pro Jahr. Wird diese überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig.

Fahrtkostenerstattungen in Höhe der tatsächlichen Kosten – etwa 0,30 Euro pro Kilometer – zählen nicht zum Honorar. Wer in höheren Amateurklassen viel pfeift, sollte die eigene Einordnung dennoch prüfen lassen.

Diese Darstellung ist eine allgemeine Einordnung der Rechtslage und keine Steuerberatung. Für die eigene Situation – insbesondere bei regelmäßigen Einsätzen oberhalb der Kreisebene – ist die Rücksprache mit einem Steuerberater sinnvoll.
 

11. Einordnung: Was kosten Schiedsrichter den Profifußball?

Eine Überschlagsrechnung macht die Verhältnisse deutlich. Für 306 Bundesligaspiele fallen pro Partie an: 6.000 Euro für den Hauptschiedsrichter, zweimal Assistentenhonorar, 1.500 Euro für den Vierten Offiziellen sowie 2.300 Euro und 1.150 Euro für VAR und AVAR. Zuzüglich der Grundhonorare des gesamten Kaders landet man für die Bundesliga in einer Größenordnung von etwa acht bis zehn Millionen Euro pro Saison.

Zum Vergleich: Die zentralen Medienerlöse der Bundesliga bewegen sich im Bereich von rund 1,1 Milliarden Euro pro Spielzeit. Das gesamte Schiedsrichterwesen der höchsten deutschen Spielklasse kostet damit etwa ein Prozent der zentralen Medienerlöse – und deutlich weniger als das Gehalt eines einzelnen Spitzenspielers bei einem Topklub.

Das ist der wesentliche Befund dieser Seite: Die öffentliche Empörung über „6.000 Euro für 90 Minuten“ verfehlt die ökonomische Realität. Gemessen an der Verantwortung – Entscheidungen, die über Millionenbeträge an Prämien, Auf- und Abstieg entscheiden – sind Schiedsrichterhonorare im Profifußball ein extrem kleiner Kostenblock. Die eigentliche strukturelle Frage liegt woanders: bei der fehlenden Absicherung eines Berufsstands, der zunehmend hauptberuflich agiert, ohne die Rechte eines Arbeitnehmers zu haben.

12. Häufige Fragen

Was verdient ein Bundesliga-Schiedsrichter pro Spiel?
Rund 6.000 Euro pro geleiteter Bundesligapartie. In diesem Betrag sind Spesen und Anfahrtskosten bereits enthalten. Hinzu kommt ein jährliches Grundhonorar zwischen 68.000 und 88.000 Euro.
Sind Bundesliga-Schiedsrichter beim DFB angestellt?
Nein. Kein deutscher Schiedsrichter steht in einem Anstellungsverhältnis beim DFB. Sie sind selbstständig tätig und müssen Krankenversicherung, Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsschutz selbst organisieren – anders als etwa die fest angestellten Referees der englischen Premier League.
Wie viel verdient der bestbezahlte deutsche Schiedsrichter?
Nach einer kicker-Auswertung kam der Spitzenverdiener allein mit nationalen Einsätzen auf rund 222.200 Euro in einer Saison. Insgesamt überschritten 13 Schiedsrichter die Marke von 200.000 Euro. Mit internationalen Einsätzen bei UEFA und FIFA kann der Betrag in Turnierjahren deutlich höher liegen.
Was verdient ein Schiedsrichter in der Champions League?
Schiedsrichter der obersten UEFA-Kategorie erhalten rund 4.800 Euro pro Einsatz, ab dem Viertelfinale rund 5.800 Euro, jeweils zuzüglich einer Tagespauschale von 200 Euro. Ein jährliches Grundhonorar zahlt die UEFA nicht.
Was verdienen Schiedsrichterinnen in der Frauen-Bundesliga?
Seit der Saison 2025/26 erhalten Schiedsrichterinnen der Frauen-Bundesliga 1.000 Euro pro Spiel, Assistentinnen und Assistenten 500 Euro. In der 2. Frauen-Bundesliga sind es 350 beziehungsweise 175 Euro. Der DFB hat diese Sätze zuvor von 700 und 350 Euro angehoben.
Wie viel verdient ein Schiedsrichter in der Kreisliga?
Je nach Landesverband zwischen etwa 25 und 50 Euro pro Spiel, zuzüglich Fahrtkosten von meist 0,30 bis 0,35 Euro pro Kilometer. In Bayern liegt die Kreisliga bei 52 Euro, in anderen Verbänden bei rund 27 bis 28 Euro.
Was verdienen Schiedsrichter bei der Weltmeisterschaft?
Für die WM 2026 wurden eine Grundprämie von rund 70.000 US-Dollar für die Turnierteilnahme, 3.000 US-Dollar pro Gruppenspiel und 10.000 US-Dollar pro K.-o.-Spiel berichtet. Bei langem Turnierverlauf sind damit mehr als 100.000 US-Dollar erreichbar. Die FIFA veröffentlicht keine offizielle Honorartabelle.
Müssen Schiedsrichter ihre Einnahmen versteuern?
Ja. Der Bundesfinanzhof hat 2017 entschieden, dass Fußballschiedsrichter grundsätzlich gewerbliche Einkünfte erzielen (Az. I R 98/15). Auch Einnahmen aus internationalen Einsätzen sind in Deutschland steuerpflichtig, da im Ausland keine Betriebsstätte begründet wird. Im Amateurbereich greifen je nach Einordnung Freibeträge beziehungsweise die Freigrenze für sonstige Einkünfte.

 

13. Quellen und Methodik

Diese Seite trägt Angaben aus drei unterschiedlich belastbaren Quellenkategorien zusammen. Die Unterscheidung ist wichtig:

Offizielle Verbandsveröffentlichungen – etwa die DFB-Mitteilung zu den Frauenhonoraren und die Spesenordnungen der Landesverbände. Diese Werte sind belegt und verlässlich.

Etablierte Medienberichterstattung – vor allem die Erhebungen des kicker zu den DFB-Honoraren. Der DFB veröffentlicht diese Beträge nicht selbst; sie gelten aber als gut recherchiert.

Sekundärberichte ohne klare Primärquelle – insbesondere die Angaben zu UEFA-Kategorien und zu ausländischen Ligen. Hier sind Bezugsjahr und Abgrenzung häufig unklar. Diese Werte sind im Text als unsicher gekennzeichnet.

Zentrale Quellen:

  1. kicker: Bericht zu den Honoraren der DFB-Schiedsrichter und VAR (Januar 2025) sowie Auswertung der Schiedsrichtereinnahmen einer Saison
  2. DFB: Mitteilung des Präsidiums zur Anhebung der Schiedsrichter*innen-Honorare in den Ligen und Wettbewerben der Frauen ab Saison 2025/2026
  3. Bayerischer Fußball-Verband: Anlage zur Schiedsrichterordnung, Spesenordnung Stand 01.07.2025
  4. FLVW Kreis Paderborn und NFV Kreis Stade: Spesen- und Aufwandsentschädigungsübersichten Saison 2025/26
  5. Bundesfinanzhof, Urteil vom 20.12.2017, Az. I R 98/15 (Gewerbesteuerpflicht von Fußballschiedsrichtern)
  6. Berichterstattung zur Vergütungsstruktur der FIFA bei den Weltmeisterschaften 2022 und 2026

Alle Beträge sind Bruttowerte vor Steuern und Abgaben. Wo Quellen voneinander abweichen, sind beide Größenordnungen genannt und als solche gekennzeichnet. Hinweise auf aktualisierte oder abweichende Zahlen nehmen wir gern entgegen.

Besten Dank für dein Interesse!