Mega-Deals in der Sportwettenbranche

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Bei dem folgenden Beitrag handelt es sich um ein Gastartikel von David Fischer.

2015 und 2016 waren die Mega-Deal-Jahre der Sportwettenbranche

Groß – größer – am größten: Dies schien das Motto bei den führenden Anbietern für Sportwetten in den Jahren 2015 und 2016 gewesen zu sein. Einige Mega-Deals haben den Markt umgekrempelt und neue Riesen hervorgebracht. Der deutsche Marktführer Tipico beschritt dabei ganz eigene Wege.

Oliver Kahn ist die Werbeikone von Tipico Deutschland

Moderner Tipico-Wettshop mit dem Bild von Werbeikone Oliver Kahn. Bildquelle: www.tipico-group.com

Frisches Geld für das Erreichen der Expansionsziele

Das Unternehmen Tipico Co. Ltd mit Hauptsitz auf Malta schluckte keinen Konkurrenten, sondern beschaffte sich frisches Geld auf dem Kapitalmarkt durch den Verkauf von 60 Prozent seiner Firmenanteile an den privaten Finanzinvestor CVC Capital Partners.

Mit dem Verkaufspreis in Höhe von 1,5 Milliarden Euro kann Tipico jetzt seine Expansionsziele verwirklichen. Diese bestehen in erster Linie darin, das Filialnetz der Wettshops einer Renovierung und Umgestaltung zu unterziehen. Insgesamt betreibt Tipico mittlerweile um die 1.100 Wettshops, die neben der Internetpräsenz das große Kapital der Marke Tipico in Deutschland ausmachen.

Außerdem ist neben weiteren umfangreichen Marketingaktivitäten die Angebotserweiterung der Produktpalette mit weiteren Sportarten schon weit fortgeschritten. Hatte Tipico bisher vor allem Wetten auf Fußballspiele im Programm, können Kunden inzwischen Sportwetten in 29 verschiedenen Sportarten platzieren. Online-Sportwetten sind unter allen Spielarten des Online-Glücksspiels am beliebtesten und erreichten 2014 einen Marktanteil von knapp 50 Prozent.

Sportwetten sind die beliebteste Spielart im Online-Glücksspiel

Von allen Online-Glücksspielen werden knapp die Hälfte der Einsätze auf Sportwetten getätigt. Quelle: eigene Darstellung

Wer ist CVC Capital Partners?

In der Welt der Kapitalmärkte ist das außerbörsliche Eigenkapital eine Form des Beteiligungskapitals. Der englische Fachbegriff dafür lautet Private Equity. CVC Capital Partners ist so eine Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg und ist aktuell weltweit an etwa 50 Unternehmen beteiligt, die über 350.000 Menschen beschäftigen und einen Jahresumsatz von rund 100 Milliarden US-Dollar generieren. Seit einem Management-Buy-out im Jahr 1993 besitzt das Management von CVC das Unternehmen und hat seitdem Investitionen in Höhe von etwa 71 Milliarden US-Dollar getätigt. Damit gehört CVC zu den Top Ten der größten Private-Equity-Unternehmen weltweit.

Investitionen von Private Equity-Gesellschaften gewinnen mehr und mehr an Bedeutung

Durch die Bankenkrise gewinnt Private-Equity-Investment immer mehr an Bedeutung. Der Vorteil für Tipico liegt auf der Hand: Es gibt frisches Geld, um weiter zu wachsen, Werte zu schaffen und Innovationen voranzutreiben. Bildquelle: g0d4ather – 314718410 / Shutterstock.com

Die Philosophie des Unternehmens besteht darin, Mehrheits- oder bedeutende Minderheitsanteile an europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Unternehmen zu erwerben, um anschließend in Zusammenarbeit mit den Managementteams der Firmen das Erreichen der Unternehmensziele zu unterstützen. Schließlich soll sich die Investition durch die Schaffung nachhaltiger langfristiger Werte auch lohnen.

Mit Tipico akquirierte CVC das zweite Unternehmen der Sportwettenbranche. Bereits seit 2014 gehört dem Investor auch die ehemalige Sky-Tochter Sky Bet. Insidern zufolge ist eine Fusion von Tipico und Sky Bet allerdings nicht geplant. Als 1999 der Börsengang des britischen Sportwettenanbieters William Hill scheiterte, übernahm CVC zusammen mit CINVEN das Unternehmen. Im Rahmen des Börsenganges 2002 wurden diese Anteile aber wieder veräußert.

Die Mega-Deals im Glücksspielmarkt 2015 und 2016

Die rechtliche Lage bezüglich der Konzessionen für Sportwetten-Anbieter war besonders 2015 und 2016 sehr ungewiss. In Deutschland sollte die Anzahl der Lizenzen auf 20 Anbieter begrenzt werden. Da unter anderen auch Tipico bei der Lizenz-Vergabe leer ausging, klagte das Unternehmen und erhielt vor Gericht Recht. Dieses Urteil führte den gesamten Vergabe-Prozess in Deutschland ad absurdum, und es entstand eine rechtliche Grauzone. Dies war nur ein Grund, warum sich einige Unternehmen der Glücksspielbranche zusammentaten, um finanziell und strukturell besser aufgestellt zu sein. Aber auch der wachsende Konkurrenzdruck sorgte für Mega-Fusionen. Inzwischen tummeln sich auf dem Markt der Sportwetten mehr als 130 Anbieter. Hier ein paar Beispiele für die Mega-Deals im Glücksspielmarkt in den Jahren 2015 und 2016.

Ladbrokes kauft Gala Coral im Juni 2015

Der britische Buchmacher Ladbrokes sicherte sich per Aktientausch im Wert von 2,3 Milliarden Pfund den britischen Konkurrenten Coral Group und avancierte damit zum größten Buchmacher in Großbritannien. Jetzt betreibt Ladbrokes insgesamt 4.000 Wettbüros auf der Insel. Mit dem Mega-Deal wurde der bisherige Marktführer William Hill mit seinen 2.300 Wettshops auf Platz zwei verdrängt. Die neuen Zahlen der Nummer 1 in Großbritannien lesen sich imposant:

  • Umsatzerlöse 2015: 1,2 Milliarden Pfund
  • Geschätzte Umsatzerlöse 2017: 2,45 Milliarden Pfund
  • Geschätzter Vorsteuergewinn 2017: 255 Millionen Pfund
  • Marktkapitalisierung: 2,72 Milliarden Euro
  • Mitarbeiter 2015: 14.000
  • Aktive Spieler 2015: 1,104 Millionen

Nach dem Mega-Deal besitzen die Ladbrokes-Aktionäre nun 51,75 Prozent der Anteile, während sich die Gala Coral-Eigentümer mit 48,25 Prozent begnügen müssen. Die Chefs beider Unternehmen, Jim Mullen von Ladbrokes und Carl Leaver von Gala Coral, stehen nun an der Spitze des neuen Unternehmens Ladbrokes Coral Group.

Betfair fusioniert mit Paddy Power im September 2015

Im September 2015 wurde auf dem äußerst hart umkämpften Online-Sportwettenmarkt ein weiterer neuer Branchenriese geboren. Der irische Sportwettenanbieter Paddy Power und der britischer Konkurrent Betfair einigten sich am 8. September 2015 über die Bedingungen für eine Fusion. Das neue Unternehmen Paddy Power Betfair befindet sich nun zu 52% bei den ehemaligen Paddy Power-Aktionären und zu 48% bei den ehemaligen Betfair-Aktionären. Die Fusion wurde am 2. Februar 2016 abgeschlossen. Am 5. April 2016 wurde bekannt, dass 650 Arbeitsplätze in Großbritannien und Irland bei der Firma verloren gehen würden.

Das neue Unternehmen unterhält getrennte Marken in Großbritannien, Irland und Italien. Es besitzt etwa 600 Wettbüros in Großbritannien und Irland sowie eine gut etablierte Online-Wettbörse. Experten gaben den Wert der Fusion mit 8 Milliarden Euro an und rechnen mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro.

Paddy Power-Aktie legt nach Bekanntgabe der Fusion mit Betfair um 70 Prozent zu

Nach Bekanntgabe der Fusionsabsichten mit Betfair legte der Aktienkurs von Paddy Power bis zu 70 Prozent zu. Quelle: eigene Darstellung

GVC Holding übernimmt Bwin im September 2015

Der Online-Glücksspielanbieter Bwin hatte sich schon lange vor der Übernahme durch die GVC Holding selbst zum Verkauf gestellt. In der Folge entbrannte ein heißer Bieterwettstreit, bei dem zum Schluss GVC und die 888 Holdings übrigblieben. Der Gewinner hieß am Ende GVC, der für den Kauf von Bwin tief in die Tasche greifen musste.

Bis auf eine Summe von 1,45 Milliarden Euro schaukelten sich die beiden Bieter schließlich hoch. Der Übernahmepoker beherrschte monatelang die Börsenszene. Während Bwin noch 2011 selbst als Übernehmer auftrat und sich Party-Gaming einverleibte, wurde das Unternehmen nun von GVC übernommen. Das Bieterrennen wirkte sich auch auf die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen aus. Während die Aktien von Bwin-Party knapp ein Prozent und die von 888 über drei Prozent zulegten, verloren die Papiere von GVC etwa vier Prozent an Wert.

Gerüchte um William Hill

Auch der britische Buchmacher William Hill prüft immer mal wieder Möglichkeiten, seine digitalen Geschäfte zu stärken und international zu wachsen. Ein Übernahmeangebot der 888 Holdings und der Rank Gruppe in Höhe von anfangs 3,65 Milliarden Euro und später erhöht auf 4,24 Milliarden Euro lehnte William Hill laut finanztreff.de ab.

Fünf Tage später, am 10. Oktober 2016, veröffentlichte das Handelsblatt die Nachricht, dass zwischen William Hill und der kanadischen Amaya Gaming Group Fusionsverhandlungen laufen. Wäre die Fusion zustande gekommen, hätte das neue Unternehmen die klare weltweite Marktführerschaft im Bereich Online-Sportwetten, Poker- und Casinospiele übernehmen können. Beide Unternehmen weisen zusammen eine Marktkapitalisierung von etwa 4,7 Milliarden Euro auf. Am 18. Oktober erklärten jedoch beide Parteien die Fusionsgespräche für beendet. William Hill nannte als Grund die Kritik einiger Großaktionäre von Amaya an der geplanten Fusion. Amaya gab an, dass die bestehende Unabhängigkeit das Beste für die Aktionäre beider Seiten sei.

Fazit

Fusionen und Übernahmen hat es in jeder Branche schon gegeben und wird es auch immer geben. Die relativ große Anzahl in der Glücksspielbranche weist auf eine Konsolidierungsphase hin, die den Markt bereinigt. Veränderte Wettbewerbsbedingungen durch staatliche Gesetze und neue Steuerformen wie die Sportwetten-Steuer haben bei einigen Marktteilnehmern aufgrund der geringen Margen zu finanziellen Problemen geführt.

Trotzdem ist es eine Tatsache, dass das Geschäftsfeld der Online-Sportwetten ein riesiger Wachstumsmarkt ist. Wer bei der Vielzahl der Konkurrenten überleben will, muss sich den neuen Bedingungen anpassen und Kosten minimieren. Durch Übernahmen und Fusionen können Synergien genutzt werden. Die Entwicklung der Branche bleibt spannend. Die folgende Infografik gibt einen Überblick über die größten Player im Glücksspielgeschäft.

Die größten Unternehmen der Glücksspielbranche

Die größten Unternehmen der Glücksspielbranche. Quelle: eigene Darstellung

Bildquelle: g0d4ather – 314718410 / Shutterstock.com

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