Kreisliga-Team setzt auf Community-Funding mit Gamification-Elementen

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Der Kreisligist TC Freisenbruch 02 aus Essen hat einen interessanten Crowdfunding-Ansatz entwickelt, um seine erste Mannschaft zu finanzieren. Im Rahmen einer Community, die an das britische Projekt myfootballclub.co.uk erinnert, können zahlende Mitglieder im Verein z.B. über die Aufstellung oder den Trainer mitbestimmen. Während in England eine Firma die genannte Internetcommunity gründete, um mit Hilfe der Einnahmen einen ganzen Fußballverein zu kaufen, ist die Communitygründung des TC Freisenbruch 02 aus dem Verein heraus erfolgt, um die Vereinszwecke zu fördern. Die Idee das Community-Funding mit Gamification-Elementen zu verbinden, ist sicherlich unter Finanzierungs-, Marketing- und auch unter Mitglieder- sowie Fanbindungsaspekten hoch interessant. Aus diesem Grunde wurde das folgende Interview mit dem Vereinsbeirat Peter Wingen vom Freisenbruch 02 geführt. 

Klaus-Martin Meyer: Herr Wingen, Sie sind im Beirat des Essener Kreisligisten TC Freisenbruch 02. Könnten Sie sich den Lesern von Fußball-Geld.de bitte kurz vorstellen.

Peter Wingen: Ich bin 32 Jahre alt, Familienvater und Fußballer durch und durch. Ich habe jahrelang selber gespielt, Jugendmannschaften trainiert und verschiedene Ämter in Vereinen übernommen. Hauptberuflich arbeite ich als Webentwickler in einer Duisburger Agentur.
Beim TC Freisenbruch bin ich für den Internet-Auftritt und die Presse-Arbeit verantwortlich.

Klaus-Martin Meyer: Zur Finanzierung der ersten Mannschaft wurde ein unkonventioneller Ansatz entwickelt, der Crowdfunding- aber auch Gamification-Elemente enthält. Vielleicht können Sie die Community-Idee ein wenig beleuchten?

Peter Wingen: Ich denke das die „Gamification-Elemente“ im Vordergrund stehen.
Wir haben die Fußballmanager Spiele zum Leben erweckt. Statt mit einem virtuellen Verein gegen den Computer zu spielen, wird bei uns mit einem echten Verein gegen echte Gegner gespielt. Unsere User, die wir Online-Teammanager nennen, entscheiden bei uns über alles! Angefangen bei der Aufstellung, über die Finanzen bis hin zu einer möglichen Entlassung des Trainers.
Das ganze findet auf unserer Webseite www.deinclub.tc-freisenbruch.de statt. Wir haben für den Verein eine Community Plattform programmiert, auf der sich der komplette Verein steuern lässt.
Es gibt zum Beispiel ein spezielles Aufstellungsmodul, einen Finanzbereich, in dem die Teammanager nach jedem Heimspiel eine detaillierte Abrechnung erhalten und auch ein Forum, in dem fleißig über die Mannschaft diskutiert wird.

Die Teammanager zahlen einen monatlichen Beitrag von 5 Euro. Dieser fließt zum Großteil in die Mannschaftskasse, die wiederum von den Teammanagern verwaltet wird. Die User verwalten ihre eigenen Mitgliedsbeiträge.
Angefangen haben wir vor der Saison 2016/17 nach rund zwei Jahren Vorbereitung.

Klaus-Martin Meyer: Was für Entscheidungen konnten die Teammanager bislang treffen?

Peter Wingen: Vor jedem Spiel legen sie die Aufstellung fest, die unser Trainer auf dem Platz umsetzen muss. Außerdem legten die Teammanager beispielsweise die Eintrittspreise für die Heimspiele oder die Bier- und Würstchenpreise fest.
Besonders für die einheimischen User eine knifflige Frage. Denn sie wollen bei den Spielen Bier trinken und Würstchen essen. Ist das Bier günstig, schonen sie ihr Portemonnaie, aber dann hat ihr Verein, den sie selber verwalten weniger Geld auf dem Konto.

Klaus-Martin Meyer: Auf welcher Grundlage können die Teammanager ihre Entscheidungen treffen?

Peter Wingen: Im sportlichen Bereich erhalten die Teammanager zahlreiche Informationen. Nach jeder Trainingseinheit erhalten sie einen Trainingsreport mit Trainingsinhalten, Noten und Videos. Die Spieler machen regelmäßig Leistungstest, außerdem gibt es auf der Webseite des Vereins täglich Berichte rund um die Mannschaft.

Im Finanz Bereich bekommen die Teammanager, wie schon erwähnt, nach jedem Heimspiel eine detaillierte Abrechnung über alle Einnahmen und Ausgaben. Außerdem können sie auf einen Blick die finanzielle Situation überblicken.

Klaus-Martin Meyer: Gab es vor dem Start der Plattform Bedenken im Verein? Wenn ja welche, wie konnten diese überwunden werden?

Peter Wingen: Im Verein haben wir offene Türen eingerannt. Der Verein stand auf einem Abstiegsplatz in die Kreisliga C und hatte nur sehr wenige ehrenamtliche Mitarbeiter. Mit der Idee konnten wir im Verein eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Neben der ersten Mannschaft steht mittlerweile auch die zweite Mannschaft an der Tabellenspitze ihrer Liga. Im letzten Meisterschaftsspiel konnten wir sogar über 300 Zuschauer begrüßen und das in der Kreisliga!

Klaus-Martin Meyer: Wie ist die Resonanz der Community? Stärkt die Plattform auch die Bindung der Mitglieder an den Verein? In welchem Ausmaß engagieren sich nicht Vereins-Mitglieder?

Peter Wingen: Wir haben knapp 200 Online-Mitglieder. Die meisten von ihnen sind sehr aktiv und reagieren auch auf kurzfristige Abstimmungen sehr schnell. Besonders die „externen“ User sind ziemlich aktiv und saugen die Infos rund um die Mannschaft auf. Einige von ihnen reisen sogar aus den umliegenden Städten zu den Heimspielen an um die Mannschaft live zu sehen.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie auch etwas dazu sagen, welche Relevanz die regelmäßigen Abo-Einnahmen für den Verein bereits erreicht haben.

Peter Wingen: Die erste Mannschaft wird aus den Abo Einnahmen und den Sponsoren Geldern, die über die Idee generiert worden sind, finanziert.

Klaus-Martin Meyer: Abschließend die Frage, nach positiven Folgen, die auf der aus dem Projekt resultierenden PR beruhen? Für einen Kreisligisten gibt es auf der Vereinswebseite ja durchaus ungewöhnliche Partner.

Peter Wingen: Die Idee gab es zwar schon einmal in Deutschland. Aber sie wurde noch nie so konsequent umgesetzt. Wir haben bereits in der letzten Saison angefangen, den Verein mit ein paar PR Maßnahmen über unsere Facebook Seite bekannt zu machen. Was uns auch ganz gut gelungen ist.
So konnten wir unter anderem Partner wie Nike oder 11Teamsport auf uns aufmerksam machen und sie davon überzeugen, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen.

1 Kommentar
  1. Deppenleerzeichen sagt

    Spannendes Projekt, aber bitte beim nächsten Artikel nicht wieder eine zweistellige An Zahl von Deppen Leerzeichen ein fügen. Dan ke.

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